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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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Opfertäter und Täteropfer als Figurationen des Dritten?    241 weise der Eins und der Zwei zu vermitteln. Eins und Eins ergibt dort bekanntlich Drei! Das deckt sich nach Koschorke und Elisabeth von Samsonow auch mit der kulturhistorischen Semantik der Dreizahl: „vom christlichen Dogma der Trinität bis hin zu den neuplatonischen Triaden, die in der Renaissance wieder zu großer Bedeutung gelangten. In dieser Zahlensymbolik war die Dreizahl gewöhnlich dazu ausersehen, die Entzweiung der Welt zu überwinden und eine als vorgängig verstandene Einheit zu restituieren“ (Koschorke 2010, 13).6 Aus sozialphilosophi- scher Betrachtung erkennt Thomas Bedorf für diesen Funktionsparameter auch eine zwingende Notwendigkeit. Denn unter den Bedingungen der Moderne, d.h. des Zerfalls segregierter oder hierarchisch-teleo- logisch geordneter Gesellschaften, stehen klassischerweise zwei fundamentale Optionen zur Verfügung. Die eine Option beginnt bei den Einzelnen und versucht, aus ihrer Kooperation, ihrer Aggregation oder ihrer Interaktion einen Gesellschaftsbegriff zu gewinnen; die andere setzt bei den Gruppen, Institutionen und Systemen an, um aus ihrer symbolischen Struktur die Interaktionen zwischen den Einzelnen zu erklären. Zur ersten Variante gehören Vertrags- theorien und die unterschiedlichen Formen des methodischen Individualismus, zur zweiten zählen so grundverschiedene Ansätze wie der Funktionalismus oder die Systemtheorie. In keiner der beiden Optionen besteht Bedarf für eine Figur des Dritten. (Bedorf 2010, 125) Gerade mit Blick auf die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust haben sich innerhalb der Geschichtswissenschaft vor allem die Ansätze der Intentionalisten und der Funktionalisten bzw. Strukturalisten für lange Zeit etabliert und sich beinahe binär zueinander organisiert. So kann, aus- gehend von Bedorfs Bestandaufnahme, gefragt werden: Was wird über die Figur des Dritten möglich, sowohl in sozialphilosophischer, in politischer und vor allem auch in narrativ-darstellender Hinsicht? Welche Aufgabe kommt daher den ästhetischen und fiktionalen Medien, speziell auch der Literatur zu, um diese (auch epistemologische) Leerstelle zu kompensieren? Angelegt an die Soziologie Georg Simmels (1995) besteht der Stellenwert ter- tiärer Denkfiguren laut Bedorf darin, über „sein Hinzutreten zu einer Relation zwischen zweien eine überpersönliche Einheit hervorbrin g[en]“ (2010, 126) zu lassen. Aus dieser Überpersonalisierung ergibt sich eine Position, „in der der Dritte gruppenkonstitutiv wirkt und so die Genese der Vergesellschaftung erklärt.  […] Dadurch wird der Dritte zur Scharnierfigur zwischen einer ethisch- intersubjektiven und einer sozialen Dimension“ (Bedorf 2010, 125–126), die durch 6  Vgl. dazu auch von Samsonow 1998.
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Title
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Editor
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
350
Keywords
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Category
Lehrbücher
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