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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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242    Torsten Voß sein zwischen beiden Dimensionen praktiziertes Schweifen als solche ĂŒberhaupt erst ersichtlich werden können. Die Drei ĂŒberwindet damit nicht nur die zwei Seiten. Synchron bestĂ€tigt sie diese ja auch aufgrund ihrer liminalen Positionie- rung. Ist der Dritte demzufolge nur ein externer und objektiver Beschreibungs- modus oder auch ein subjektiv zu verortender Erfahrungsmodus? Neben dem Scharnier nimmt der Dritte ja auch den Modus einer Kippfigur ein, was sich – und dafĂŒr bieten sich wiederum literarische Texte im Besonderen zwecks Veranschau- lichung an – fĂŒr das eigene IdentitĂ€tsverstĂ€ndnis dieser außerhalb der DualitĂ€t stehenden Konstruktion als ausgesprochen problematisch erweisen kann. Er ist zwar das Ergebnis einer sich ĂŒber binĂ€re Oppositionen konstituierenden Gesell- schaft, aber dennoch nicht Teil von ihr. Relevant ist daher, auch mit Blick auf die zu berĂŒcksichtigenden Textange- bote, welche Figurentypologien des Dritten (bis hin zu ihrer mythisch geworde- nen PotenzialitĂ€t) sich fĂŒr die Erfassung von „OpfertĂ€tern“ und „TĂ€teropfern“ unter dem Vorzeichen eines totalitĂ€ren Gesellschafts regulativs eignen könnten. Ist diese Erscheinung, wie sie sich in TiĆĄmas oder Tellkamps Romanen findet, ein Trickster, der zu ĂŒberleben versteht (SchĂŒttpelz 2010)? Der Arzt Hoffmann jedenfalls pflegt in Tellkamps Der Turm seine bildungsbĂŒrgerliche Lebenskultur, die ja eigentlich das GegenstĂŒck zum sozialistischen Kollektivismus darstellt, indem er auf jegliche Subversion verzichtet und eine Reanimation von innerer Emigration und schweigender Anpassung synchron betreibt. Insofern reicht seine PassivitĂ€t kaum aus, um ihn mit einer der Sparten der Opfer-TĂ€ter-Dicho- tomie zu kategorisieren. Auch fĂŒr den Schwellenbewohner fehlt ihm die Aktion des Hin- und Herschweifens. Seine PassivitĂ€t mĂŒndet jedoch in Akzeptanz und Zeugenschaft, ohne ideologisch befangen zu sein. Zugleich hĂ€lt sich das System des DDR-Stalinismus auch durch den kultivierten Dulder am Leben und findet in dem gebildeten Arzt, welcher seine kulturellen Ideale unter sich und fĂŒr sich lebt, sogar eine Art intellektuelle Arrivierung. Hoffmann nimmt damit den Son- derstatus des Bystander an, dessen systemstabilisierender Konformismus ohne politisch-ideologische Überzeugung ebenso funktioniert wie die Denunzierung des Freundes Manfred Weniger bei der Staatssicherheit, einfach durch die Tatsa- che, dass er – Richard Hoffmann – existiert. Denn gerade als unbeteiligte Zeugen sind diese Bystander-Figuren innerhalb der repressiven Strukturen totalitĂ€rer Gesellschaften nach Jacques SĂ©melin „in die gesellschaftliche Dynamik, die die designierten Opfer ins Abseits drĂ€ngen kann, durchaus einbezogen“ (2007, 117). Auch Dabeistehen impliziert ein Dabeisein! Welche Varianten könnte die Figur des Dritten im Kontext von TĂ€ter-Opfer- Narrativen noch annehmen? Ist er ein am System sich ernĂ€hrender Parasit (Gehring 2010)? Ist er ein TĂ€ter, der ohne jegliche Kalkulation zum Opfer des eigenen Systems wird, und damit alles andere als der lachende Dritte? In Antunes’
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Title
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Editor
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Miloơević
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
350
Keywords
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, TransnationalitÀt
Category
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