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OpfertĂ€ter und TĂ€teropfer als Figurationen des Dritten?â â
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als TÀter eine ganz Àhnliche Funktion wie zuvor das Opfer Helena Lifka. Beide
dienen dem entgrenzten und zugleich an Grenzen gebundenen Schwellenbewoh-
ner Vilko Lamian zur Selbstfindung und dem Möglichwerden von Zugehörigkeit.
Obgleich ihm beide Bereiche der dualen Gewaltordnung bewusst sind, konnte
er sie nur aufrechterhalten ohne wirklich Teil einer Seite zu sein. Denn Lamian
selbst ist nicht eigenstÀndiges Segment, sondern ein die DualitÀt stabilisierender
Mechanismus.
Vorbereitet wurde seine LiminalitÀt bereits in der Jugend, als er als katho-
lisch getauftes Kind im beginnenden Ustascha-Staat sein Studium inmitten von
kroatischen Nationalisten beginnt und spÀter als Kommunist ins Lager gesteckt
wird:
Er war wirklich ein Fremder in dieser Umgebung, und wenn er sich bemĂŒhte, seine Fremd-
heit zu leugnen, und dabei vor Heuchelei und Maskierung nicht zurĂŒckschreckte, war das
nicht der Beweis, daà er hinterhÀltig war, daà er versuchte, sich in den Kreislauf der Gesell-
schaft einzuschleichen, der er nach Geburt und Herkunft nicht angehörte? (Tiƥma 1997, 69)
Er will nicht mehr das âKuckucksei seines Andersseinsâ (TiĆĄma 1997, 69) darstel-
len. Um dem zu entfliehen, wird er der nun ganz Andere, nÀmlich der Dritte, der
OpfertÀter. Gewiss beherrscht Lamian alias Kapo Furfa die FÀhigkeiten des auch
von Erhard SchĂŒttpelz eindringlich erforschten Tricksters, die ja in dem eben
gewÀhlten Zitat auch ihre ausgedehnte Beschreibung erfahren. Er verliert jedoch
dadurch die BezĂŒge zu einem klar fassbaren Selbst und kompensiert das ideolo-
gisch und rassistisch von Seiten der Faschisten zugewiesene Anderssein durch
ein strukturelles Anderssein, welches sich nicht als Rettung entpuppt, sondern
zum Teilparameter einer inhumanen Gesellschaft wird. Ihm selbst wird immer
wieder wĂ€hrend des Plotverlaufs bewusst, âdaĂ dort nicht sein Platz war, daĂ
er unwiderruflich ausgeschlossen war. Er war sich nunmehr seines Daseins als
Verbannter bewusstâ (TiĆĄma 1997, 70), welches in der tertiĂ€ren Konstellation als
OpfertÀter Furfa seine gedoppelte BekrÀftigung erfahren wird. Auch umgekehrt
kann dieser Weg gegangen werden. In Antunesâ Roman ĂŒber die Endphase der
Salazar-Diktatur und die Folgen der sogenannten Nelken revolution erhÀrtet sich
die Opfersituation durch Bewusstwerdung eigener vergangener TĂ€termacht.9
9â Das findet sich auch in Antunesâ Livro de CrĂłnicas: âMeine GroĂmutter lebte mit dem NachlaĂ
von GenerĂ€len: Orden, HĂŒte von Federn, Bronzestatuetten, grimmige PortrĂ€ts, in diesem stren-
gen, strahlenden, heroischen [âŠ] Staub, den die MilitĂ€rs zurĂŒcklassen, wenn sie sterbenâ (2006,
330).
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
- Title
- Opfernarrative in transnationalen Kontexten
- Editor
- Eva Binder
- Christof Diem
- Miriam Finkelstein
- Sieglinde Klettenhammer
- Birgit Mertz-Baumgartner
- Marijana MiloĆĄeviÄ
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-069346-1
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 350
- Keywords
- Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, TransnationalitÀt
- Category
- LehrbĂŒcher