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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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Das Leiden der Anderen?    287 3 Jugoslavija, moja dežela – Trauma und Zuhören Jugoslavija, moja dežela, der zweite Roman des slowenischen Autors Goran Vojnović, 2011 in Ljubljana erschienen, ist für eine Untersuchung des Potenzials dialogischen Erinnerns in postjugoslawischen literarischen Texten besonders aufschlussreich, denn Vojnović gilt unter den jüngeren slowenischen Schrift- steller*innen zunächst als derjenige, bei dem die jugoslawischen Zerfallskriege „am prominentesten dargestellt“ (Čeh Steger 2013, 208)16 werden; er positioniert sich weiterhin selbst dezidiert als slowenischer Autor innerhalb der postjugosla- wischen Literaturszene (Vojnović 2013b) und wird als solcher, wie die Rezeption in der Region beweist, auch im gesamten postjugoslawischen Kulturraum wahr- genommen. Von der Zugehörigkeit zum postjugoslawischen Kulturraum zeugen seine Texte nicht nur in thematischer Hinsicht, sondern auch sprachlich durch eine figurenspezifische Mehrsprachigkeit, durch die sich insbesondere sein erster Roman Čefurji raus! (2008, Südländer raus!) auszeichnet, die aber auch in Jugoslavija, moja dežela anklingt und in seinem jüngsten Roman Figa (2016, dt. Unter dem Feigenbaum) wieder zunimmt.17 Worum geht es im Roman? Der Ich-Erzähler Vladan Borojević, in der Erzähl- gegenwart ein gescheiterter, in Ljubljana lebender Student, stammt aus einer slo- wenisch-serbischen Familie, die vor den Kriegen an der kroatischen Küste lebte. Mit Kriegsausbruch 1991 wurde Vladan unvermittelt aus einer sorgenfreien Kind- heit gerissen. Der Vater Nedeljko, Offizier der Jugoslawi schen Volksarmee, wird nach Belgrad beordert und von dort an die Front in Slawonien geschickt. Seine Mutter Duša flieht mit Vladan aus Serbien, wo beide bei Nedeljkos Verwandten untergekommen waren, zurück nach Slowenien. Dort erfährt Vladan von seiner Mutter, sein Vater sei im Krieg gefallen. Das Trauma des Kindes, das mit elf Jahren sein Land, seine Sprache und seinen Vater verloren hat, äußert sich sechzehn Jahre später in deutlichen Symptomen. Vladan erfährt zu diesem Zeitpunkt zufäl- lig bei Recherchen im Internet, dass sein Vater nicht tot ist, sondern als Kriegs- verbrecher gesucht wird, verantwortlich für ein Massaker in einem kroatischen Dorf. Die überstürzte Suche nach dem Vater führt ihn nach Kroatien, Bosnien 16  Demgegenüber nimmt laut Čeh Steger die Fiktionalisierung des Zweiten Weltkrieges in Tex- ten der slowenischen Gegenwartsliteratur breiten Raum ein (2013, 200). 17  Eine problematische Seite des aktuellen postjugoslawischen literarischen Diskurses stellen getrennte Literaturübersetzungen in Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien dar, was sich an Vojnovićs Büchern gut illustrieren lässt. Von Čefurji raus! gibt es eine kroatische, eine ser- bische und eine bosnische Übersetzung, von Jugoslavija, moja dežela eine kroatische und eine serbische Übersetzung, ebenso von Figa. Für die im postjugoslawischen Literaturfeld kursieren- den Texte gibt es also für den Sprachraum des BKMS keine gemeinsame Übersetzerlandschaft.
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Title
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Editor
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
350
Keywords
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Category
Lehrbücher
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