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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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Das Leiden der Anderen?    295 Und dann habe ich […] mich an die Geschichte meines Vaters erinnert … und an den Haufen, auf dem Leichen seiner, meiner, deiner Familie gelegen haben. […] Alles war für mich schon im Voraus bestimmt. Es hat da nie eine Wahlmöglichkeit gegeben. […] Jener Krieg damals hat mit diesem Krieg nur eine Fortsetzung gefunden, und Milutins Schicksal wurde mein Schicksal. (Vojnović 2016, 230–231) Vladan jedoch ist durch die Auseinandersetzung mit den Erzählungen der Anderen bereits auf das Opfernarrativ vorbereitet, das ihn hier durch die geschickte Reihung der Worte „njegove, moje, tvoje družine“ [seiner, meiner, deiner Familie] erneut mit einverleibt. Er nimmt eine anklagende Rolle ein und eine aktive Dekonstruktion des Spiels seines Vaters „z izmišljenimi usodami“ (Vojnović 2013a, 257–258) [„mit den erfundenen Schicksalen“ (Vojnović 2016, 231)] vor. General Borojević […] [je] [o]digral ulogo […] nedolžne žrtve […]. bez besed [me je] spraše- val, zakaj jaz […] si ne želim niti slišati njegove zgodbe. […] Zgodbe, ki sem ji tako zlahka nasedel, ko so mi jo skupaj po delčkih pripovedovali Emir, Danilo in Brane […]. (Vojnović 2013a, 264) General Borojević […] hatte die Rolle des […] unschuldigen Opfers gespielt, […]. [Er] hatte […] mich ohne Worte gefragt, weshalb ich […] seine Geschichte nicht einmal hören wollte. […] Eine Geschichte, der ich so leicht aufgesessen war, als sie mir Stück für Stück Emir, Danilo und Brane erzählt hatten, […]. (Vojnović 2016, 238) 6 Das Leiden der Anderen? Zum Schluss wird auf den Titel des Beitrags Bezug zu nehmen sein, um einen Punkt zu erläutern, der bisher nicht direkt zur Sprache kam. Wer sind nun eigent- lich die Anderen, deren Leiden den zuhörenden Erzähler umtreiben? Durch die Suche der Erzählerfigur nach dem Vater und nach den Ursachen der Kriegsver- brechen, die dieser im Kroatienkrieg begangen hatte, wird im Roman vorder- gründig die Täterperspektive und das ambivalente Opfer narrativ akzentuiert, das zur Entlastung des Verbrechens zum Einsatz kommt. Die Täterfigur erfährt im Buch eine durchaus vielschichtige Zeichnung und erhält am Ende auch selbst eine Stimme. In dieser Vater-Sohn-Konstellation agiert Vladan allerdings nicht als empathischer Zuhörer und weigert sich zum Schluss, das Leiden seines Vaters anzuhören und zuhörend dessen Verbrechen zu rehabilitieren: „‚Ne vem, zakaj si prišel, če me sploh nočeš poslušati.‘ ‚Zakaj naj te poslušam?! Vzgojil si me kot ateista, komunjaro jedna. Zdaj bi mi pa pridigal o usodi‘“ (Vojnović 2013a, 260) [„‚Ich weiß nicht, weshalb du gekommen bist, wenn du mir überhaupt nicht
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Title
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Editor
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
350
Keywords
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Category
Lehrbücher
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