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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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318    Ioannis Pangalos sein – vor allem ‚fragile‘ Gruppen, wie z.B. Jugendliche oder Migrant*innen, wie an anderer Stelle angedeutet wird (T, 242). Täter*innen sind die profitsüchtigen, menschenverachtenden Mächtigen, die aufgrund der Unzulänglichkeit der demo- kratischen Institutionen unbehelligt agieren. Die älteren Generationen sollen ihren Opferstatus, der in der Vergangenheit wurzelt, überwinden und sich für die Machtlosen einsetzen. Dem Roman liegt so gelesen ein ethischer Imperativ zugrunde – etwas stärker didaktisch gefärbt, als es einem Teil der Literaturkritik lieb wäre (Papaspyrou 2011; Katsoularis 2010). Der Autor selbst begründet den Transformationsprozess der einstigen Opfer psychologisch: Die postmemorialen Erschütterungen der Protagonistin motivie- ren eigentlich ihre Taten. Jedoch werden hier die Konzepte der transgeneratio- nellen Traumatisierung und des Phantoms letztendlich ins Positive gewendet. Im Vordergrund stehen nicht die Symptome einer Neurose, oder die Suche der Vergangenheit, die zu einer festen „identification with the victim or witness of trauma“ (Hirsch 2001, 10) führen könnte – eine Haltung, die meines Erachtens die Gefahr in sich bergen würde, althergebrachte Dualismen wiederzubeleben. Der Blick des Autors ist vorwiegend auf die Zukunft gerichtet: Neben dem Leiden, das das beschwiegene Schicksal der Verlierer*innen des Bürgerkriegs der zweiten Generation verursacht, gibt es auch Werte, deren Übernahme und Anpassung im Kontext der neuen Epoche diese Generation zu sinnvollem und nützlichem Handeln innerhalb der zivilen Gesellschaft befähigt. Wir haben gesehen, dass die zwei zuletzt analysierten Romane sich verschie- dener Strategien bedienen, die auf eine Unterminierung der bis Ende der 1980er Jahre gültigen Opfernarrative hinauslaufen. Ihr gemeinsamer Nenner ist jedoch, dass sie sehr intensiv mit der Idee der ‚Generationen‘ operieren – eine Problema- tik, die ohnehin der Fluidität der jeweiligen Opfer-Täter-Konstellationen zuträg- lich ist. Ein vorgeformtes Opfernarrativ hat im Generationenkonzept – ungeach- tet welcher Variante – keinen Platz. Sich auf die deutsche Gegenwartsliteratur beziehend bemerkt Sigrid Weigel: [Die Herkunft] scheint der Versicherung eines subjektiven Ortes zu dienen und der Ausein- andersetzung mit einer unheimlichen Erbschaft in der Geschichte, die ansonsten abstrakt bleibt und durch moralische Diskurse über Opfer und Täter verstellt ist. (2006, 92–93) Diese These dürfte mutatis mutandis auch für die Bürgerkriegsliteratur gültig sein. Es hat sich erwiesen, dass der neuen Bürgerkriegsliteratur ein breitgefä- chertes Repertoire von Konzepten zur Verfügung steht, um über lange Zeit wir- kende Stereotype und damit einhergehende traditionelle Feindbilder in Frage zu stellen. Die bisher durchgeführte Bestandsaufnahme hat gezeigt, dass in die erste Gruppe – gebildet von Werken, die die althergebrachten Opfernarrative direkt problematisieren – vor allem spanische Romane fallen, während die griechischen
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Title
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Editor
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
350
Keywords
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Category
Lehrbücher
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