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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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W wie ihr Name/Avec un double v    325 LE PROFESSEUR – Die Berliner Mauer ist gefallen, ai-je dit, le lendemain, à chacun de mes cours. Etwas in mir ist auch gefallen, ein Widerstand, une fracture se réduisait, quelque chose se réunifiait. Der Mauerfall. Was halten Sie davon? Sie antworteten mit Gleichgültigkeit, ab und zu mit Interesse mais personne n’éprouvait l’émotion qui m’avait saisie en apprenant la nouvelle dans la nuit de Paris. Ich hörte im Radio: Montagsde- monstrationen in Leipzig, Demonstration am Alexanderplatz avec un mélange d’enthousiasme et de peur – si tout échouait, si la violence se déclenchait? Le curseur ne restait plus bloqué sur le nazisme et sur la guerre. Es war als ob die Generation meiner Mutter plötzlich verschwunden war, als ob die Wege sich endlich wieder öffneten. L’Histoire se remettait en marche, zum ersten Mal spürte ich das Bedürfnis, nach Deutschland zurückzukehren, nach Berlin zu gehen, là où le mur, tous les murs étaient tombés. L’ELEVE – Berlin – die Stadt, die ich gemieden hatte. DIE ZEIT – In der geteilten Stadt waren auch die Flüsse wie gefroren. DIE SPRACHE – Widerstandsbewegung, Wiedervereinigung, Wildgans, Windstille, Winterschlaf, Wirtschaftswunder. L’ELEVE – Plötzlich das Bedürfnis, dorthin zu gehen. DIE SPRACHE – Berlin, die Hauptstadt der Sprache. DIE ZEIT – Die Hauptstadt der Zeit. DER TOD – Ich bin jetzt zum Denkmal geworden, ich wandere durch die Friedhöfe, alte Namen wiederholend. Hegel, E.T.A. Hoffmann, Fichte, die Brüder Grimm, ehemalig ausgewanderte Namen wie Berthold Brecht, Anna Seghers, Heinrich Mann. Ich habe so viele, endlos viele vertrieben, und jetzt bin ich selbst ein Vertriebener. DIE ZEIT – Von der Zeit vertrieben. DIE SPRACHE – Von der Sprache vertrieben. L’ELEVE – Tant d’années dans la peur de ce nom, in Angst vor diesem Namen, Berlin. Je voyais des véhicules blindés, un ciel gris, j’entendais les battements de cœur de tous les poursuivis, leurs pas précipités, j’entendais dans le silence épais des jours de neige les cris de la torture, ich konnte das Gewicht der Gefängnisse fühlen, den Schmerz der Trennungen, die Kälte der Befehle. LE PROFESSEUR – Tout à coup mon cœur s’ouvrait. Mon pays m’appelait ou plutôt, je pouvais de nouveau l’appeler mon pays. Ich habe meinen Bruder angerufen, der seit Jahren in Berlin lebte – il avait refusé de faire son service mili- taire  – und habe ihm gesagt, ich komme. Il venait régulièrement me voir à Paris mais j’ai dit, dieses Mal treffen wir uns in Berlin. J’ai pris l’avion, je voulais m’envoler et atterrir directement au cœur des choses. Sofort nach der Landung habe ich mich von der Sprache umgeben gefühlt – wie hatte ich es überstanden, so lange ohne die Sprache, ohne meine Sprache
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Title
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Editor
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
350
Keywords
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Category
Lehrbücher
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