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> A k a d e m i e n .
preise; der Künstler kann es aber unentgeltlich wieder zurücknehmen.
Noch ist mit der A. eine Kunst-Materialien-Handlung vereinigt. —
Die k. l. A. der Morgenland. Sprachen. Diese wurde von M.
Theresia 1754 gestiftet/ um Jünglinge zu diplomatischen Aemtern im
Oriente auszubilden. Der akad. Curs dauert 5 Jahre, die Aufnahme
sindet aber nur gegen schriftlichen Revers der Altern Statt/ die Zöglinge
auch wirklich zu Anstellungen im Oriente widmen zu wollen; die Auf-
nahme derselben wird durch den Kaiser selbst bestimmt. Die Anstalt steht
unmittelbar unter der k. k. geh. Haus-, Hof- und Etaatskanzley; sie
besteht aus einem Director, 2 Präfecten, sämmtlich zugleich Profes-
soren/ dann noch 3 Professoren und 4 Lehrern. Die Lehrgegenstande
sind: durch alle 5 Jahre Religionswissenschaft/ französische und türkische
Sprache, Zeichnen, Tanzen und Kalligraphie; außerdem im 1. Jahre:
Philosophie, Mathematik; im 2. Jahre: Physik, Geschichte; im 3.
Jahre: Natur-, Staats-, Völker- und Oesandtschafts recht. Arabisch,
Geschichte; im 4. Jahre: österr. Civil-, röm., Handel-, Wechsel-und
Seerecht, Gerichtsordnung, Italienisch, Neugriechisch, Arabisch, Ge-
schichte; im 5. Jahre: Statistik, politische Wissenschaften, Staatsver-
fassung der Osmanen, Italienisch, Neugriechisch, Arabisch, Persisch,
Reiten (auf der k. k. Hofreitschule). Nach Vollendung der Studien in
derselben kommen die Zöglinge meistens als sogenannte Sprachknabcn
zur k. k. Gesandtschaft nach Co n sta n t in o p el , um sich dort in den
oriental. Sprachen praktisch auszubilden, und werden dann entweder bey
der geheim. Haus-, Hof- und Staatskanzley in Wien, oder bey der
Gesandtschaft in Constantinop el, als Beamte in den levantischen
Seehafen und Oränzprovinzen, als Consuln und Dolmetscher angestellt.
Die Anstalt besitzt: 1) eine wichtige Bibliothek; 2) eine Sammlung
oriental. Münzen; 3) eine Sammlung Abdrücke von türk. und pers.
Siegeln und Talismanen. — Die k. k. A. der/chönen Künste in
Ma i land , mit vorzüglichen Kunstschulen und einer herrlichen Ge-
mäldesammlung, auch einer Sammlung der Gypsabgüsse nach den besten
antiken und modernen Werken der Plastik; sie hat ihren Sitz im Palaste
der Wissenschaften und Künste (Pi-^i-a) und vertheilt jährlich zur Vervoll-
kommnung der Künste Prämien nach 2 Classen, womit zugleich Kunst-
ausstellungen verbunden sind. Der akad. Körper theilt sich in stimmfähige
Mitglieder und in Ehrenmitglieder, welche jedoch keine Stimme zu füh-
ren haben. Die Professoren der A. sind wirkliche Mitglieder, und haben
das vollkommene Stimmrecht. Die Akademiker versammeln sich gewöhn-
lich in monatlichen Sitzungen und wählen nach absoluter Stimmenmehr-
heit die Mitglieder mit und ohne Stimmrecht. Das Patent der Auf-
nahme jedes Akademikers muß von dem Gubernium zu Mai land be-
stätigt seyn. Die A. wird von einem Präsidenten geleitet, sie hat einen
Secretär und Secretärs-Adjuncten zur Geschäftsführung. Die Prämien
der 1. Classe haben die Concurrenz für ganz Europa, da hier die Pro-
gramme öffentlich gedruckt und an alle andern A. der Künste übersendet
werden. Die Prämien der 2. Classe werden unter die geschicktesten und
fleißigsten Zöglinge vertheilt, welche daher jedes Jahr aus ihrer Mitte
eine permanente Commission für jeden Zweig der Künste ernennt, und
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie