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Ambraser Sammlung.
stammen und vielleicht A. die Citadelle V<^Iliic1c;na'8 gewesen seyn. Den
Nahmen des Schlosses leiten daher einige von 26 umkras, andere jedoch
wohl richtiger von seiner Lage auf rasenreicher Höhe: Am Rasen (Amras)
:c. Vollkommen Beglaubigtes läßt sich jedoch in dieser Hinsicht nichts an-
geben. Schon im zehnten Jahrhunderte war A. die Hauptburg der von
Andechs als landesfurstl. Lehen. Nachdem das Schloß 1137 durch
Herzog Heinrich den Sto lzen von Bayern und Sachsen zerstört,
nach Beendigung dieser Fehden aber herrlicher wieder aufgebaut worden,
und als landesfurstl. Lehen so wie als Pfand für dargeliehene Summen
durch manche Hände gegangen war, löste es Kaiser Ferdinand I.
1563 von den edlen Schürfen wieder ein und schenkte es im folgenden
Jahre nebst der ganzen Herrschaft A. seinem trefflichen Sohne, dem Erz-
herzog Ferdinand, welcher es durch lange Jahre an der Seite seiner
an Tugend und Schönheit reichen Gemahlinn Phi l ipp ine Welser be-
wohnte und der Burg dadurch, so wie durch die in selber angelegte.rei-
che Sammlung (s. d.) eigentliches historisches Interesse verlieh.Nach Fer-
dinand's Tode erbte dessen jüngerer Sohn Car l Markgraf von Bur-
gau Herrschaft und Schloß, dieser trat jedoch Schloß und Schätze 1606
dem Kaiser Rudolph I I . und dessen Brüdern kaufweise ab; seit dieser
Zeit blieb A. bey dem Kaiserhause, und bewahrte jene Kunstschätze bis
zur Abtretung Tyrols an Bayern 1306, wo der größte Theil derselben
nach Wien geschafft wurde. Der zu A. zurückgebliebene Theil von Knnst-
Zegenständen und historisch-wichtigen Denkmahlen aber besteht noch aus
Arbeiten in Metall, Elfenbein, Horn und Holz, Uhren, irdenen Oe
schirren und künstlichen Töpferarbeiten, alten Gewehren, Schilden, Arm-
brusten, Köchern, Pfeilen, Spießen, Lanzen, Panzerhemden und
Satteln, älteren und neueren Porträts in Lebensgröße, Kniestücken und
Brustbildern, großen Familienstücken an den Wänden des Speisesaales,
und histor. Gemälden, dann im Schloßhofe aus sechs röm. Meilenstei-
nen mit Inschriften, endlich sind noch in der St. Nikolauskirche daselbst
silberne Gefäße, Meßgewänder, Paramente und andere Kirchenerforder-
nisse im besten Zustande zu sehen. Unter den Gemächern der alten herrli-
chen Burg sind die merkwürdigsten : das einfache Badegemach der genügsa-
men P h i l i p p i n e, der Tafelsaalund endlich der Bogengang vor demselben,
aus welchem einst der nachmahls so berühmte Albr. Wal len st ein als
Edelknabe im Schlummer herabgestürzt und unverletzt aufgestanden
seyn soll.
Ambraser-Sammlung/ k. k. Diese merkwürdige Sammlung
von beglaubigten Original-Rüstungen, kostbaren alten Gefäßen, Bil-
dern und andern Kunstgegenständen, alten interessanten Handschriften/
einigen Naturalien und andern Seltenheiten wurde in dem alten Schlosse
Ambras (Omras) bey Innsbruck in Tyrol von Erzherzog Ferdinand,
Grafen von Tyro l , dem zweyten Sohne Kaisers Ferd inandI . , ge-
boren zu Linz, 14. Iuny 1529, und Gemahl der schönen Phil ip-
pine W e lser gegründet, und daselbst bis zum Jahre 1806, als Tyrol
an Bayern abgetreten wurde, aufbewahrt; hierauf, wenigstens der
größte und wichtigste Theil derselben, nach Wien gebracht und bis jetzt
im Gebäude des untern Belvederes aufgestellt, und dem in Erzherzogs
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie