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Ambraser Sammlung. 73
Phil ipp's des Schönen Verlobung, zeigen. Die Größe der vorder-
sten Figuren beträgt, wie auf den Marmorbildern zu Innsbruck,
6 bis 8 Zoll. Die bestimmte Zeichnung und Haltung der oft bis zur
Übertreibung kraftigen Kriegerund ihrer Rosse, so wie die kunstvolle
Vertheilung von Licht und Schatten bey der ungemeinen Fülle der Com-
position, beglaubigen diese Darstellungen als das Werk eines vollendeten
Meisters, dessen Nahmen jedoch leider leine Stelle des Bildes selbst er-
halten hat. Das kleine Cabinet Nr. 10 verschließt eine äußerst merkwürdige
und reichhaltige Sammlung von theils früheren theils gleichzeitigen Eben-
bildern sowohl aus dem ErzHause Osterreich selbst, als auch von andern
berühmten Personen; ihre Zahl belauft sich, die doppelten Stücke unge-
rechnet/ auf 970 Stücke. Die 2 großen Stammbaume der Fürsten aus dem
Habsburg'schen Geschlechte, mit den Bildnissen derselben, in Wasserfar-
ben gemalt, reichen v.on Rudolph von Habsburg bis zu Phi l ipp
dem Schönen, Sohn Maximil ian's I., und sind ehrwürdige Reste
der Kunst aus des letztern Zeit; leider ist einer derselben (welcher jetzt zu-
sammengerollt ist) von dem Zahne der Zeit ziemlich mitgenommen, steht
auch an Kunstwerth hinter dem andern zurück. Von diesem Stammbaume
erschien in neuerer Zeit ein großes sehr verdienstvolles lithographirtes
Werk. — Im großen Marmorsaale, wie in dem anstoßenden soge-
nannten Ooldcabinete befindet sich die Kunst-und Wunderkammer, in
welcher die Seltenheiten der Natur und Mmst verwahrt werden, ein
allerdings merkwürdiges und wundersames Gemenge von Gegenständen,
so z. B. Naturalien, Kunstwerke, Oeräthschaften alter, mittlerer und
neuerer Zeit, Gefäße von jeder Form und Materie, mechanische, ma-
thematische und musikalische Instrumente, einige orientalische und andere
ausländische Raritäten, endlich ein reicher Schatz von Gefäßen und
Kleinoden aus edlen Steinen und kostbaren Metallen. Das Unbedeu-
tendste, jedoch durch Alter und Seltenheit ausgezeichnet, reiht sich hier
an das Schätzbare, die kleinlichste Künstelet) an wahre Meisterwerke der
Kunst. Der Marmorsaal enthält 13 Glaskasten mit den verschiedensten
Gegenständen. Der 1. und 2. Kasten verwahren Seltenheiten aus dem
Thierreiche, worunter ein sehr großes Büffelhorn aus Sicilien, ein
großer Elephantenzahn und große Rhinoceroshörner sich auszeichnen.
Ein Eichstock mit einem eingewachseten Hirschkopf sammt Geweih verdient
als besonderes Naturspiel die Aufmerksamkeit des Naturforschers. Hier
befindet sich auch eine beträchtliche Menge der verschiedenartigsten Korallen-
gewächse. Der 3. und 4. Kasten enthalten Fossilien. Unter den Steinen
befindet sich eine schöne Smaragddruse aus Peru. Unter den Metallen
zeichnen sich aus: einige große Stücke Pepit (Gold aus Peru), mehrere
sehr große Exemplare gediegenen dendritischen Silbers aus Peru, und die
in Form von Bergwerken u. dgl. verarbeiteten Silberglaserze von Schwaz
in Tyrol. Der 5./6. und 7. Kasten sind mit antiken Gefäßen, Gera-
then, Lampen und kleinen (doch zum Theile modernen) Bronzefigür-
chen angefüllt, am merkwürdigsten aber ist das römische Edict <le le^'
Ißi-Ilia in Erz, 114 I. vor Chr. Geb. Im 8. bis 12. Kasten sind herr-
liche Arbeiten aus Stein, Horn, Holz, Elfenbein, Wachs, Pappe :c.,
worunter besonders merkwürdig ein in Entwurf, Zeichnung und Aus-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie