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7« Amoretti.
Kraft sich durch alle umthürmenden Hindernisse siegend emporschwangen.
Durchaus unbemittelt, mußte er selbst um die Anschaffung der Requisiten
kämpfen., die Akademie der bild. Künste in Wien besuchen zu können.
Er machte schnelle Fortschritte. Zum allernächsten Broderwerb illuminirte
er Landkarten und Kupferstiche, arbeitete täglich einige Stunden in einer
lithographischen Anstalt, malte Zimmer aus und gab Unterricht in der
Guitarre. Endlich gelang es ihm, sich Farben und Ohl, Pinsel und
Palette anzuschaffen, und er begann nun Porträte in Ohl zu malen.
^824, während der Ferien, machte er eine Fußreisenach Prag , wo
sein Oheim, ein Garnisonsauditor, lebte. Dieß war der Wendepunct sei-
ner Bestimmung. Dieser wackere Mann gab ihm Unterkunft. A. vermochte
sich für die von ihm gelieferten beyfälligen Portrats die Summe von
300 fl. zu ersparen; und nun hielt ihn nichts mehr ab, seinen längst ge-
hegten heißen Wunsch, Britanniens Metropole zu besuchen, auszuführen.
Sein-Drang galt, die Bekanntschaft des gefeyerten Lawrence zu
lnachen. A. legte ihm schüchtern seine Leistungen vor und genoß des
Triumphes aufrichtiger und freundschaftlicher Anerkennung des Meisters.
A. verweilte 9 Monathe in London, und machte sich nun muthig nach
Par i s auf, den Lawrence Frankreichs, Horace Vernet, kennen
zu lernen. Er fand dieselbe freundliche Aufnahme; doch nöthigte ihn
eine 3monathliche Krankheit zur Rückkehr nach der Vaterstadt. Hier schuf
er 2 historische Gemälde: Dido von Äne as verlassen, und Moses
in der Wüste; selbe erhielten den ersten akad. Preis. — Als in Wien
die Cholera ausbrach, zog A. nach Venedig, verweilte da einen Mo-
nath, und ging von da über Florenz nach Rom. A.'s Ruf war ge-
gründet. Sein Monarch berief ihn nach Wien zurück. Es ward ihm der
auszeichnende Auftrag zu Theil, des Kaisers Bildnis; für das Ritterschloß
in Laxen bürg zu malen, in vollem Ornate 3i Schuh hoch. A. schuf ein
Meisterstück; das Bild vorerst in einem Saale des Reichskanzleygebäudes
zu öffentlicher Betrachtung ausgestellt, erntete Bewunderung. A.'s Por-
träte und Skizzen in den 1332—34 Statt gefundenen Kunstausstellungen
zogen mächtig an, nahmentlich dasBildniß der Fürstinn Auersperg. —
A. genießt nun die seinem großen Talente wohl gebührende Würdigung/
verbunden mit lohnendem Zuspruch. In der Blüthe der Lebenstage
wird er in seiner Künstlerschaft nicht stillstehen; und was auch die Stimme
besonnenen, unbestechlichen Urtheils immerhin an seinen Arbeiten bemän-
geln möge: möglichste Ähnlichkeit charakterisirt seine Porträts, und
Geist und Kraft, Kühnheit und Sicherheit zeichnen sie aus, indem sie
selbe zugleich von der gewöhnlichen technischen Effectmalerey genialisch
unterscheiden.
Amorett i , Carl , Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften,
beständiger Secretar der Mailänd. sooietH patriotica, und Bibliothekar
an der ambrosian. Bibliothek zu Mai land, geb. zu Oneglia in
Sardinien 1741, erhielt seine Bildung unter den Piaristen, ließ sich
1757 dem Augnsimerorden einverleiben, den er jedoch wieder verließ
und mit päpstlicher Bewilligung in den Weltpriesterstand übertrat. Neuere
Sprachen, Naturgeschichte, Physik, Technik, insbesondere Mineralo-
gie, waren seine Lieblingsfacher. Viele Werke, auch Übersetzungen be<
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie