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84 A n d r e a s I I I . — A n d r e a s v o n Oesterre ich.
Abwesenheit in Oalizien 1213 seine Gemahlinn und seine ersten Gunst«
linge erschlugen, und seinen Sohn Coloman zum König krönten.
A. stellte zwar, nach seiner Rückkehr, Nuhe und Ordnung wieder her,
ließ jedoch, aus Furcht noch größerer Unruhen, sämmtliche Unthaten
unbestraft, vermählte sich 1215 neuerdings mit der ital. Prinzessinn
Io lan tha und unternahm 1217 einen Kreuzzug nach Palastina, wo
er zwar sehr tapfer focht, doch bey seiner Rückkehr aufs Neue Unruhen
in seinem Reiche fand,so daß er seinen Sohn B ela, den er selbst zum
Regenten während seiner Abwesenheit bestellt hatte, mit den Waffen
zwingen mußte, ihm die Regierung wieder abzutreten. 1222 hielt A.
einen Reichstag, auf welchem die Vorrechte des Adels bestimmt festge-
setzt wurden und er das unter dem Nahmen der goldenen Bulle bekannte
Decret erließ, welches die Grundlage der ungar. Constitution wurde.
1233 unterzeichnete A. noch ein für die Geistlichkeit sehr günstiges Con-
cordat. Das Ende seines Lebens wurde ihm noch durch Streitigkeiten mit
Aufrührern, an deren Spitze sein eigener Sohn Bela stand, verbit-
tert. Nach dem Tode seiner zweyten Gemahlinn vermahlte er sich noch
mit Beatr ix von Este und starb 1236, seine Gemahlinn schwanger
hinterlassend, die nach seinem Tode Stephan Post Humus gebar.
Sein Nachfolgerauf dem Throne wurde sein erwähnter Sohn Bela IV.
Andreas I I I . , der Venet ianer genannt, letzter König von
Ungarn aus dem Stamme Arpad's, Sohn Stephan's Posihu-
mus von Thomasina und Enkel Andreas I I . , war um 1250
geboren. Seit 1273 war er Herzog von Slavonien, Dalmatien und
Croatien, und bestieg 1280 nach dem unbeerbten Tode K. Ladis-
laus I I I . und der Ermordung dessen Bruder Andreas den Thron.
Kurz nach seiner Thronbesteigung kriegte A. glücklich mit Albrecht vok
Osterreich und vermahlte sich nach Wiederherstellung des Friedens mit
dessen Tochter Agnes. Noch wahrend seines Lebens machte Car l Mar-
tel l von Ani 'ou, auf weibliche Verwandtschaft gestützt, Ansprüche
auf Ungarns Krone und überzog A. mit Krieg. Zwar wurde ersterer 1292
bey Agram geschlagen und zur Flucht gezwungen, doch erneuerte des-
sen Sohn Car lRober t 1300 seine Ansprüche und kam, durch ungar.
Verschworne gerufen, nach Ungarn, wo er großen Anhang fand und
bedeutende Fortschritte machte. A. starb deßhalb noch im selben Jahre vor
Kummer. Kurz vor seinem Tode hatte er auf dem Reichstage zu Pesih
die alten Privilegien des Thrones wieder hergestellt, die Willlühr der
Magnaten beschrankt, besonders aber den Landfrieden und die Handha-
bung der Gesetze wieder befestiget. Da seine Ehe kinderlos geblieben
war, so erlosch mit seinem Tode das Konigsgeschlecht der Arpaden und
Car l Robert gelangte ungehindert zum Throne, dessen Glanz das
erwähnte Geschlecht durch die Erwerbung und Eroberung von Croatien
(1095), Dalmatien (1105), Rama (1133), so wie auch Servien
(1196), die Bulgarey (1196) und Rothreußen (1205) nicht wenig
vermehrt hatte, obschon Ungarn erst unter der Regierung der Anjou's
den höchsten Gipfel seiner Macht erreichte.
Andreas von Oesterreich, Cardinal, Bischof zu Brixen
und Costnitz, Abt zu Reichen au, Markgraf zu Burgau und
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie