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Andreides. — Angarano. 85
Landgraf zu Nellenburg, erstgeborner Sohn des Erzherzogs Ferdinand
von Osterreich, Grafen zuTyrol und der Philippine Welser, war
geb. 1553 auf dem Schlosse Ambras in Tyrol. Nach einer sehr sorg-
faltigen Erziehung widmete er sich dem geistlichen Stande und erlangte
in früher Jugend die höheren Kirchenwürden. 1593 übernahm A. auf
Verlangen des Königs Philipp I I . von Spaniel! in Abwesenheit des
Erzherzogs Albrecht von Osterreich die Verwaltung der niederl. Pro-
vinzen und regierre sie mit vielem Nutzen, da er ihren zerrütteten Zu-
stand durch Klugheit und Mäßigung um Vieles verbesserte und auch durch
Tapferkeit den Feinden vielen Abbruch that. 1600 reiste er zum grosien
Jubelfeste nach Rom, von da nach Neapel und starb nach seiner Zu-
rückkunft zu Rom dasselbe Jahr im 42. Jahre seines Alters.
Andreides, Amand, geb. zu O l m ü tz, lernte bey C a sv.
Franz Sambach und bey Dan. Oran de Latorre die Malerey,
bildete sich in Bayreuth und Dresden aus, wo er sich unter B i-
biena vorzüglich auf die Perspective verlegte. Er malte außerdem im
Historienfache mit gutem Erfolge; lebte sodann in Braunschweig
noch um 1739. .
Anesburg, ein seit lange ntcht mehr bestehender Ort in der Ge-
gend des Chorherrnstiftes St. Florian im Traunkreise Österreichs ob
der Enns. Hier fiel 907 die blutige Ungarschlacht vor. — Die Vertre-
ter des deutschen Reichs unter Carl's d e.s Großen letztem Sprößling,
dem minderjährigen Ludwig, erachteten den Tod Arpad's für den
geeignetsten Zeitpunct, die Verluste zu rächen, welche die Deutschen,
nahmentlich die Bayern, durch den kühn sich erhebenden, kampflustigen Un-
gargeist in den letzten Decennien erlitten hatten. Luitpold, Herzog
von Bayern, beschloß mit einer Heeresmacht, durch die Theilnahme vie-
ler deutschen Markgrafen und Herzoge verstärkt, die Ungarn anzugreifen,
und ihren verheerenden Einfallen in das deutsche Gebieth mit einem
Schlage ein Ende zu machen. Allein Arpad's entwichene Heldenseele
lebte in den Vormündern seines Sohnes Zoltan's, Ungarns jugendli-
chen Herzogs, fort, welche auf die Nachricht: „daß die Bayern zu blu-
tigem Angriffe gerüstet, die Gränze ihres Reichs bedrohten," mit Blitzes-
schnelle dem zwischen A. und dem Stifte St. Florian aufgestellten
Feindesheere entgegeneilten, das Dunkel der Nacht zu einem kühnen
Überfalle der sorglos Schlummernden benutzten, und innerhalb 3 heißer
Tage, binnen welchen man von beyden Seiten mit unablässiger Kampfes-
w.lth gestritten, dieSchlacht zumVortheil der Ungarn entschieden; diese/
obwohl mit geringerer Streitmasse, schlugen durch die Schnelligkeit ihrer
Bewegungen und stets erneuerte Angriffe den überlegenen Feind in die
Flucht. Sieggekrönt und durch die gewonnene Beute zu neuen Unter-
nehmungen angereizt, kehrten die Ungarn in ihre Heimath zurück, nach-
dem sie den deutschen Boden mit dem Blute vieler edler deutscher
Heldensöhne getränkt hatten; denn unter den in diesem Kampfe Erschla-
genen befanden sich der Salzburger Erzbischof Dittmar, 2 Bischofs/
der Herzog Luitpold selbst und 15 deutsche Grafen.
Angarano, venet. Dorf in der Dele^. Vicenza mit 3,000
Einw. und Strohhutfabrication.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie