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Angera. —Anich. 87
Europa's ganz bequemt hatte und besonders gewissenhaft alle Vorschriften
der christlichen Religion befolgte, auch es nicht unterließ, seinen Haus-
genossen hierin zum wahrhaft erbauenden Beyspiel zu dienen, so war
seine Tracht doch immer die vaterlandische, eine Art türkischer, weiter
Kleidung, meistens blendend weisi, wodurch die glänzende Schwärze
seiner Haut noch vortheilhafter erschien. Er starb im 70. Jahre den 21.
Nov. 1796, betrauert von allen seinen Freunden und die Achtung aller
Redlichen folgte ihm ins Orab.
Angera, lombard. Flecken amLago maggiorein dorDeleg. Como.
Auf dem Kaltfelsen über dem Flecken steht ein altes Schloß, worin schatz-
bare Gemälde zu sehen sind. Der die Anhöhe herunterlaufende Garten
enthält mehrers römische Inschriften. Im Innern der Kirche sieht man
Basreliefs und antike Statuen. Der Platz vor der Kirche ist mit schönen
Säulen umgeben und ringsherum gibt es viele Alterthümer.
Angermeier, Ioh . Adalb., geschätzter Maler, geb. 1674 zu
B i l i n in Böhmen. Zu Prag erhielt er seine erste Bildung und lies;
sich auch daselbst häuslich nieder. A. war besonders ausgezeichnet in sehr
gelungener Nachahmung der Natur und seine Darstellungen von Blumen-
stücken, Disteln und Insecten, auch von Vögeln, Früchten und Kräu-
tern waren vortrefflich. Er starb zu P r a g 1740 und wurde in der
Michaelskirche begraben.
Anich, pet. Dieser berühmte Zeichner der Charte Tyrols war ein
schlichter Landmann, wie sein Vater, zu Oberperfus bey Inns-
bruck 1723 geboren. Mechanik und Mathematik lernte er erst in seinem
29. Jahre kennen, und zwar durch die Jesuiten in Innsbruck, die
seine ausgezeichneten Anlagen wahrnahmen. Bald verfiel er auf den Ge-
danken zur Anfertigung eines Erd- und eines Himmelsglobus, und ver-
schiedener mathematischer Instrumente. Die Jesuiten empfahlen nun die-
sen talentvollen Mann der Kaiserinn Mar ia Theresia, welche ihm
den ehrenvollenAuftrag zum Entwurf einer Eharte Tyrols ertheilte. Trotz
der Hindernisse, die ihm seine abergläubischen Landsleute dabey in den
Weg legten, kam er mit dem mächtigen Werke zu Stande. Da es aber
zu groß ausgefallen, wurde eine Reduction auf 9 Blätter begehrt. A.
war unermüdlich damit beschäftigt, als ihn am 1. Sept. 1766 der Tod
unterbrach. Er ward in der Hauptkirche zu Innsbruck begraben. 1774
erschien seine Eharte vollendet von seinem Schüler Blas. Hueber, un-
ter AufsichtIgn. v.Weinhart's (Prof. der Mach. an derInnsbrucker
Univ.), von I. E. Mansfeld gestochen in 21 Blättern, mit einem
Kostenaufwands für Stich und Papier über 3000 fl., welcher durch das
Landesgubernium bestritten wurde, gleich jenen der mit aller Aneiferung
betriebenen Vermessung. A. und auch später Hueber erhielten nebstbey
besondere auszeichnende Belohnung (die gold. Verdienstmedaille) und Un-
tn'stützung im Gelde aus der landeMrstl. Cameralcasse. zu Innsbruck
für ihre Lebensdauer. Als die Charte ins Publicum trat, wurde sie, ohne
Übertreibung zu reden, von ganz Europa mit außerordentlichem Bey-
fall aufgenommen und mit solcher Begierde gesucht und aufgekauft, daß
sie in wenigen Jahren ganz vergriffen war, und auf das Doppelte und
Dreyfache ihres anfänglichen Preises im Werthe stieg. Nach mehreren
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie