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Apponyi'sche Bibl. zu preßb. —Aquileja.
17. März 1817. 2) Sein Sohn Anton Oraf von A., eM vorzüglicher
Kenner und Beschützer der heimathlichen Literatur, Kunst und Industrie,
geheimer Rath, ehedem Bothschafter zu Rom, London, und nun zu
Par is , geb. am 7. Sept. 1782.
Apponyi'sche Bibliothek zu Preßburg. Sie ward gegründet
von dem oben zuerst genannten Grafen Anton von Apponyi. Dieser
würdige Magnat, ein grosier Beförderer der Gelehrsamkeit, von seiner
frühesten Jugend den Studien zugethan, sammelte seit vielen Jahren
mit großem Kostenaufwand unermüdet, sowohl im In- als im Auslande,
die vorzüglichsten Werke aus allen Gebiethen der Wissenschaften, kaufte
die berühmte M a c-C arth y'sche Bibliothek in Par i s , die des Grafen
Ayala in Wien, fast vollständig in den Aldini'schen Drucken :c.
und schaffte sich auf diese Art eine merkwürdige Büchersammlung an,
die beyläufig 50,000 Bde. enthält, und unter den Privat-Bibliotheken
der österr. Monarchie einen der ersten Plätze behauptet. Der Bücher-
freund findet darin mehrere der seltensten Primitien der Buchdruckerkunst,
die ersten vorzüglichsten Ausgaben, den größten Theil der erwähnten
Aldini'schen Editionen von Venedig vom Anfang des 16. Jahrhun-
derts. Der Gelehrte bewundert mehrere der ältesten Handschriften, eine
vollständige Sammlung der Literatur-Geschichte, alle Hülfsmittel der
Bücherkunde, einen Reichthum von Abhandlungen über Kunst. Den
ansehnlichsten Bestandtheil dieses Bücherschatzes machen die ausgesuchten,
vollständigsten und prächtigsten Sammlungen griech. und latein. Classiker,
artistischer, naturgeschichtlicher Werke und malerischer Reisen aus. Von
den besondern Seltenheiten sind hier zu nennen: ein pergamentener Co-
dex des Prudent ius aus dem zehnten Jahrhundert; mehrere 66ili
incipeg der alten Classiker; des 'Woisßanßi Vetklenii
1>2N5^lv2nic2rum mit handschriftlichen Einschaltungen und
Continuationen. (Bekanntlich geht diese im Schlosse Kreusch gedruck-
te Geschichte nur bis zum zehnten Buche, das Übrige des Werkes ist
verbrannt; dieses Exemplar aber enthält auch einen Theil des eilften
Buches.) Sonst mehrere Prachtausgaben und einige Manuscripte,
z.B.vondelnTaktiker Mlianus und Onosander, dem Ptolomäus
(alle Z in lateinischer Übersetzung auf Pergament mit Figuren) :c. Nach
dem Ableben des Gründers der gräfl. Apponyi'schen Familienbiblio-
thek, übernahm dieselbe sein zweytgeborner Sohn, Ant. Graf v. Ap-
ponyi , in der mit seinen Brüdern Georg und Joseph gepflogenen
Erbschaftstheilung. Der jetzige Besitzer ließ die Bibliothek 1325 von
Wien, wo sie früher aufgestellt wär, nach Preßburg versetzen,
und aus Patriotismus zur freyen Benützung in einem eigens dazu er-
richteten Gebäude aufstellen. Vorsteher dieser Bibliothek war unlängst
noch Carl Ant. von Gruber, ein schätzbarer Philolog.
Aquileja (Aglar), illyr. Stadt des Kr. Görz, im lüsten-
länd. Gubernialgebiethe, hat 1,700 Einw. und2 Kirchen. Die alte Stadt
A. wurde im Jahre 452 von At t i la zerstört. Wegen dieser Zerstörung
zogen sich die Einwohner hinweg, und A. wurde verlassen, die Gegend
sumpfig und wüste. Aus den Ruinen entstand das jetzige A. Man sieht
aber noch jetzt Ruinen der alten Stadt und römischer Bäder. Sonst lie-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie