Page - 124 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe A-D, Volume 1
Image of the Page - 124 -
Text of the Page - 124 -
t2l Arnstein Fanny. — Arnstein und Lskeles.
unternahm er eine Reise, um die Hauptstädte Deutschlands, und die be-
rühmten Männer derselben persönlich kennen zu lernen. Alxinger und
Liebel machten A. mit den Schönheiten der classischen Schriftsteller der
Griechen und Römer bekannt, mit welchem Fache der Literatur er sich auch
vorzüglich beschäftiget. Außer in der Gesellschaft seiner Anverwandten, leb-
te er beynahe nur im Zirkel seiner literarischen Freunde, vorzüglich auch
Retzer's, Ratschky's, Schreyv ogel's, Kotzebue's und Leon's. A.
lebt noch in seinem höhern Alter den Musen. Er schrieb von 1782—1300
mehrere in Wien gedruckte Lustspiele und einige Schauspiele, sonst
einzelne, in Monathschriften und Almanachen erschienene Gedichte.
Arnstein, Fanny von, und das H a u s Arnstein als
Privathaus. Diese merkwürdige Frau war den 29. Nov. 1753 in Ber-
l in geboren. Noch sehr jung ward sie nach Wien an den nachmahligen
Freyh. Nathan Adam v. A. verehligt. Schönheit und Anmuth,
Verstand und Herzensgüte, Oeist und Bikdung, Lebhaftigkeit und Ta-
lent, Feinheit und Witz, Tact und Gewandtheit, Adel und Schönheits-
sinn, zeichneten sie in hohem, seltenen Grade aus. Solche Vorzüge,
verbunden mit Reichthum und Hospitalität, mußten sie und ihr Haus
nothwendig zu Gegenständen allgemeiner Bewunderung und Huldigung
erheben. So wurden denn ihre Zirkel für Wien das, was die Assem-
bleen einerGeoffrin undRecamier fürParis gewesen. Jose pH I I . ,
mit seinem hohen Sinn für das wahrhaft Edle und Ausgezeichnete, wür-
digte sie bey jeglichem Anlaß.seines Grußes, seiner Anrede, seiner Hoch-
schätzung. Um in ihren Salons Zutritt zu erhalten, bedürfte es nicht
äußerer Vorzüge, es entschied was man war, nicht wer man war. Im
leuchtendsten Glänze prangte ihr Haus während des Wiener Congresses,
wo oft weit über hundert Personen von innerer und äußerer Bedeutsam-
keit sich in selbem versammelten, darunter ein Consalv i , Talley-
rand, Hardenberg, Wel l ing ton :c. Beynahe 50 Jahre war
ihr Haus der Thronsitz des guteö Tons, das Palladium der edelsten und
feinsten Genüsse, der anständigsten Freyheit, der würzhaftesten geselli-
gen Unterhaltung, das schönste Vorbild Höherer Conversation. Das
ehrenwerrhe Andenken dieser unvergleichlichen Frau wird stets leben. Sie
entschlief den 8. Iuny 1313 bald nach einer Rückkehr, aus Italien. Die
hochgebildete Freyinn Pereira-Arnstein ist ihre Tochter.
Arnstein und lLskeles, Großhandlungshaus in Wien. Die
Chefs dieses allgeehrten Handelshauses, das bereits ein halbes Jahr-
hundert besteht (gegründet 9. Aug. 1737) und für inländische Indu-
strie wie auch in verschiedenen Conjuncturen bey großen finanziellen
Staatsoperationen, in Anlehen, bey Errichtung der Nationalbank:c.
nützlich gewirkt, sind: Nathan Adam Freyh. von A., k. k. priv.
Großhändler, und Bernh. Freyh. von E., Director der priv. österr.
Nationalbank und Präsident der ersten österr. Brandversicherungsgefell-
schaft in Wien. — Das Banquierhaus A. und E. genießt einen euro-
päischen Ruf, den es durch feste Solidität, gediegenen höchst bedeuten-
den Fond, Besonnenheit in allen kaufmännischen Speculationen und
ausgebreitete Verzweigung zu behaupten weiß. Der größte Theil des
diplomatischen Corps in Wien ordnet durch dieses Haus hisr fein Geld-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie