Page - 141 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe A-D, Volume 1
Image of the Page - 141 -
Text of the Page - 141 -
A u s b r u ch.
Trockenbeeren, ohne Keltern durch einen Druck herausfließt, heißt Es-
senz. Die berühmtesten ungar. Ausbrüche sind: der Tokayer, der M
ger (doch wird selten
Oden bürg selbst A. gemacht, sondern viel Ruster-A. unter dem Nah-
men Odenburger verkauft); der Carlowitzer (so wie der Menescher
roth und süsi, und lieblich an Geschmack), der St . Oeorger. Insehr
guten Weinjahren, wie das I. 1811 war, wird auch in andern Wein-
orten, z .B . Er l au , Bereg h-Szasz, guter A. bereitet.— Der
Nahme A. kommt entweder von dem Ausbrechen oder Absondern der
überreisen Trockenbeeren von den nur gerade reifen Trauben, oder von
dem früher mehr üblichen Aufeinanderschütten der Trockenbeeren, aus
welchen dann, durch eigenen Druck und Schwere, der. feinste und süßeste
Saft heraus- oder hervorbrach oder ausfioß, der dann eigentlich Essenz
hieß. Die Bereitung des A.s, wie sie jetzt gewöhnlich ist, und nah-
mentlich bey Tokay befolgt wird, ist folgende: In schönen Herbsten,
dem Weinbau durch Warme günstiger Jahre, in welchen die Trockenbeeren
gedeihen, sammelt man diese, indem man von den Trauben einzelne sorg-
fältig zusammen sucht, bringt sie zur Zeit der Weinlese in große Butten,
wo man sie dergestalt aufhäuft, daß in der Mitte eine Vertiefung in den
Haufen der Trockenbeeren entsteht, und laßt sie so det Sonne ausge-
setzt stehen, bis aus den übrigen Trauben der Most ausgetreten oder
ausgepreßt ist; in jener Vertiefung sammelt sich in guten Jahren mehr
oder weniger Flüssigkeit, die einem honigartigen Syrup gleicht, je
nachdem die Trockenbseren mehr oder minder saftig und öhlig sind, die
durch den eigenen Druck und das eigene Gewicht aus den Trockenbeeren
von selbst ausstießt und gleichsam destillirt. Diese syrupartigs Flüssigkeit
wird herausgeschöpft und in besondern Gefäßen aufbewahrt. Dieß ist die
Essenz im eigentlichsten Sinne, gleichsam der Ausstich des A.s, der beste,
edelste, aber auch kostbarste Weinliqueur, der mehr zur Arzney, als zum
Trinken dient. Jetzt wird aber auch in Tokay (wie in M en esch, Rüst
u. st w.), jeder aus bloßen Trockenbeeren ausgetretene oder ausgepreßte
Most, Essenz genannt. Einige mischen gleich bey dem Austreten der
Trockenbeeren, damit dieses leichter von Statten gehe und das Ganze
flüssiger werde, auf jede Butte voll Trockenbeere einen Viertel- oder einen
halben Eimer frischen und guten Most. Einige nehmen nach dem Gewicht
20 bis 40 Pfund Trockenbeeren auf ein Antal (1^ Eimsr oder 69 Hal-
be.) Die ganze Masse gahrt nun bey einer Temperatur von 11 bis
12" nach Reaumur, 16 bis 13 Stunden lang, worauf der sogenannte
Wein aufs Neue durch einen Sack getreten und dann in Antale oder
kleine Fässer von 1^ Eimer gefüllt wird. So erhält man in derHegyallja
oder in dem Tokayer Weingebirge den Ausbruch von Trockenbeerwein,
der um so stärker, edler und besser ist, je weniger gemeinen Most man
dazu nahm. Auf die zurückgebliebenen Weinbeerenbälge und Körner
wird ein anderer, guter, frischer Most aufgegossen, die Trebern neuere
dings getreten und gestampft, und die Mischung 24 Stunden stehcu
gelassen; dadurch erhält man den sogenannten Maschlasch (mas!^), wel.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie