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160 B a d e n .
Kaiser Friedrich I I I . , dessen Gemahlinn Eleonore die Heilkraft
dieser Bäder mit vielem Erfolge versucht hatte, erhob 1430 den Markt
zur landesfürstl. Stadt. Ungefähr um dieselbe Zeit wurde sie auch mit
Ringmauern und festen Thoren umgeben, auch führt die Stadt seit die-
ser Zeit ihr eigenes, 2 badende Personen vorstellendes Wapen. 1529,
so wie 1633 litt die Stadt sehr durch die türkischen Einfälle, besonders
im letztem Jahre, und sie erholte sich nur langsam wieder. 1714 äscherte
eine furchtbare Feuersbrunst den größten Theil der Stadt ein, doch hatte
sich schon damahls die heilende Kraft ihrer Quellen so mächtig erprobt,
daß sie durch zahlreichen Besuch schnell wieder zu Kräften kam. Die
größten Fortschritte aber begann B. unter der mütterlichen Regierung
Mar ia Theresiens zu machen, wozu auch theils die größere Wür-
digung, welche die berühmtesten'Arzte ihren Heilquellen schenkten, theils
auch die damahligen unruhigen Zeiten, welche den Aufenthalt in andern
berühmten Curorten unsicher machten, nicht wenig beytrugen. In neue-
rer Zeit wetteiferten Fremde und Einheimische, B. mit allen Bequem-
lichkeiten und Verschönerungen auszuschmücken, so wurde z.B. 1792 der
Park, damahls Theresiengarten genannt, auf einem der Stadt gehöri-
gen Weingarten angepflanzt, 1793 die Stadt gepflastert und die Nacht-
beleuchtung eingeführt; 1793 wurden die alten Stadtthore, Mauern
und Gräben weggeräumt. Die beyden feindlichen Invasionen 1305 und
1309 hatten wieder ziemlich nachtheiligen Einfluß auf B.s Wohlstand,
besonders empfindlich aber warder große Brand, welcher den 26. Iuly
1312 mehr als die Hälfte der Stadt verzehrte, 137 Häuser wurden den
Flammen zum Raube. Indessen wurde durch fortwährend sich mehrenden
Besuch, durch allgemeine Theilnahme, directe und indirecte Beyträge,
auch dieser Schaden bald wieder ersetzt; B. stand schon nach Jahresfrist
wieder schöner als je da, und gewährt nunmehr durch seinen vortrefflich
ausgeführten neuen Bau nicht nur alle Bequemlichkeit, sondern auch
jedem Bewohner größtmögliche Sicherheit. Seither geht die Verschöne-
rung dieses berühmten Curortes und reizenden Sommeraufenthaltes all-
jährlich fort, die Zahl der B. jeden Sommer besuchenden Badegäste be-
trägt jährlich im Durchschnitte an 3,000, für welche gegen 300 Mieth-
wohnungen in Bereitschaft stehen. Die Zahl der Fremden, welche des
Vergnügens und der reizenden Umgegend wegen Hieher kommen, ist
noch viel größer, und beträgt an manchen schönen Sonn- und Feyer-
tagen leicht 10 bis 12,000. Die fast jährliche Anwesenheit des Kaisers
und mehrerer Mitglieder der laiserl. Familie, besonders der Erzherzoge
Car l Ludwig und Anton V ic to r in den Sommermonathen,
gewähren B. besondern Glanz. — Die Stadt liegt 3 Meilen von
W i e n entfernt, am Eingänge des reizenden St. Helenenthales;
von Norden, Westen und Süden ist sie durch die, jenes schöne Thal bil-
denden cetischen Gebirge umgeben; in Osten hat sie eine weite Ebene,
welche über den ungar. Gränzen erst die Leithagebirge beschließen. Sie
zählt 420 Häuser und über 2,500 Einw., mit Einschluß jedoch der an-
gränzenden Ortschaften Gut tenbrunn und Weikersdorf , welche,
i eit die Stadtthore abgebrochen wurden, mit der Stadt ein fortlaufendes
Ganzes bilden, über 500 Häuser und 4,000 Einw. Unter den Gebäu-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie