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Badgastein. — Bär. 163
in voller Kraft des Mittelalters prangend, auszeichnet; letztere/ Schar-
fenegg jedoch nur mehrunbedeutendeRuine ist. Rauhenegg ist seines
ungeheuern dreyeckigen Wartthurms von riesenmäßiger Stärke und der
unermeßlichen Aussicht von dessen Zinnen wegen höchst merkwürdig. Be-
queme Spazierpfade verbinden diese interessanten Ruinen mit einander,
und die kolossalen Thürme Rauhensteins und Rauheneggs kann
man mit voller Sicherheit-auf darin angebrachten Stufen besteigen. Spen-
der dieser Genüsse ist ebenfalls Erzherzog Anton, der diese, so wie
alle übrigen Spaziergänge des Helenenthales theils selbst erschuf, theils
mit wahrhaft fürstl. Liberalität erhalten läßt. Auf dem Fuße der bedeu-
tenden Anhöhe, welche die Feste Rauhenegg krönt, erhebt sich das
herrliche Prachtgebäude Schloß Wei lburg , eine der größten Zierden
dieses schönen Thales, die Sommerresidenz des Erzherzogs Car l , 1322
durch den vortheilhaft bekannten Architekten Korn Häusel im edelsten
Style erbaut. Schließlich sind unter den vielen Schönheiten und Merk-
würdigkeiten dieses herrlichen Thales noch besonders anzuführen: der
große Holzrechen, welcher jährlich über 10,000 Klafter Holz aus weit
entlegenen Wäldern zustößt; das Felsenthor durch den Urthelstein; das
alte St. Helenenkirchlein unter der Feste Rauhenstein; die Hauswiese /
dieser Sammelplatz der eleganten Welt; die Schö nfeld'schen Anlagen;
die neue Capelle :c., und endlich die sogenannten Krainerhütten, welche
sich jedoch seit einigen Jahren in ganz artige Gebäude verwandelt haben,
wo man nach zwar eben nicht kurzer, jedoch sehr angenehmer Wanderung
mit Erfrischungen aller Art bedient wird.
Badgastein, s. Gastein.
Bader, Brunnen, Heilquellen tc., s. als Oesammtüber-
sicht bey den Ländern, und die vorzüglichsten als selbstständige Artikel in
der alphabetischen Reihe.
Bahrn , mähr. Stadt im Olmützer Kreise, nahe am Ursprung
der Fistritz, an der Poststraße von Olmütz nachTroppau, gehört
zur fürstl. Liech tenstein'schen Herrschaft Sternberg, hat2 Kirchen,
eine Pfarre und einen Magistrat, zählt 1,500 Einw. Die in der Nähe
befindlichen Grauwackenfelsen geben der Gegend ein wild-schönes An-
sehen.
Bä r , Ios. , berühmter Clarinettist und Concertmeisier der königl.
Hofcapelle zu Be r l i n , war geboren 1744 zu Grünwald im Leit-
meritzerKreise Böhmens. Sein armer Vater konnte ihm nur höchst dürf-
tigen Unterricht sowohl im Lesen, Schreiben und Rechnen, als auch
in der Musik ertheilen lassen. 1758 ging B. ohne Wissen seiner Altern
im 7jährigen Kriege mit den französ. Truppen nach Par i s , trat da-
selbst als Hautboist in Militärdienste und wurde endlich, seines ausge-
zeichneten Spieles auf der Clarinette wegen, in der Capelle des Herzogs
von Orleans mit bedeutendem Gehalte angestellt. Nach einem 22jäh-
rigen Aufenthalte daselbst, besuchte B. Holland, England, Polen,
Schweden, Dänemark, ganz Deutschland, Italien und endlich Ruß-
land, wo er sich wieder geraume Zeit aufhielt, und wurde allenthalben,
seines vortrefflichen Spieles wegen, mit allgemeinem Beyfalle aufge-
nommen. 1792 ließ er sich zu P r a g , während der Krönungszeit
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie