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men erwarben sich: Franz B. v. Oyarmath, BanvonCroatien, seit
1504. König Ludwig I I . sandte ihn 1522 nach Mahren, um die Landes-
bewohner zur Hälfe gegen die Türken anzueifern. Er fiel in der Schlacht
bey Mohacs 1526. Sein Sohn Emerich, Woywod von Siebenbür-
gen seit 1534, wußte sich zum Obercapitan von Siebenbürgen hinauf-
zuschwingen, mußte aber wegen Bedrückungen das Land verlassen, und
starb in Ungarn. Melchior, ein Bruder Emerich's, war ein gro-
ßer Anhanger König Ferdinand's I . , der ihn 1552 zum Comman-
direnden in Ungarn ernannte, obschon er auch der Partey der Königinn
Isabella gehuldigt hatte. 1556 ergriff er förmlich Isabellens Par-
tey, und führte mehrmahl ihre Truppen an. Sein Wankelmuth führ-
te ihn wieder zu Ferdinand zurück, nach dessen Tode er für Maxi -
mi l ian gegen die Anhänger des jüngern Zapolya mit Vortheil
kämpfte; 1566 schlug er die Türken bey Rimaszombad, und starb 1567
in einem Alter von 62 Jahren zu Wien. Ein anderer Bruder Eme-
rich's, Johann, Obergespan dcs Honter und Sohler Comitats,
auch Obercapitan der Bergstädte unter Ferdinand I. und Maximi-
l ian, wurde 1555 auf dem Reichstage zu Preßburg zum Obercapi-
tan der adeligen Insurrection der Gespanschaften Arva, Thurocz,
Soh l , Hont , Barsch und Neograd erwählt, kämpfte 1562 un-
glücklich gegen die Türken, kam 1569 in den Verdacht der Untreue ge-
gen Mar im i l i an , der ihm 1572 wieder Verzeihnng angedeihen
ließ. Johann's Sohn Valent in (s. unten).— Paul Freyh. vonB.
studirte unter den Jesuiten, trat in ihren Orden, bekleidete mehrere
geistliche Würden, bis er endlich Bosoner Bischof und General-Vicar
des Graner Erzbischofs wurde; st. zu Tyrnau 1305.
Balassa, valent. v. , der erste ungar. Dichter von Bedeutung,
des obigen I o h a n'n Sohn, ward 1550, auf seiner väterlichen Burg
geboren, und vorzüglich zum Kriegsdienste erzogen. In den gymnastischen
Übungen war er so ausgezeichnet, daß er bey Gelegenheit derKrönungs-
feyerlichkeit König Rudolph's zu Preßburg 1572, durch die mei-
sterliche Ausführung eines grotesken, äußerst schwierigen Schäfertanzes/
die königl. Familie und alle Anwesenden in Erstaunen setzte. Doch ge-
noß er auch einer, für jene Zeit großen Geistesbildung, wovon sowohl
seine vollkommene Kenntniß der lateinischen, italienischen und polnischen
Sprachen, als seine Gedichte zeugen, die er schon 1572, zu Krakau
drucken ließ. Als der siebenbürgische Prätendent B 6ke si, den Fürsten
Steph. Ba thory zustürzen, 1575 in Siebenbürgen einfiel, zog,
jenem beyzustehen, auch B. mit seinen Reisigen dahin; ward aber auf
der Gränze vom fürstl. Feldherrn Kornis geschlagen, in der Flucht er-
reicht, verwundet, und einige Zeit von Bä th o ry gefangen gehalten.
Rückkehrend trat er in königl. Dienste, und scheint in Erlau comman-
dirt zu haben. Zum Dichter hat ihn die Liebe gemacht. Er huldigte in
seiner frühesten Jugend der, ihrer Schönheit wegen berühmten Gräfinn
Turnovsk i , welche damahls am Hofe des ungar. Kronprätendenten
Johann Siegmund von Siebenbürgen lebte, und scheint unerhört
geblieben zu seyn. B. verließ 1539 seine Heimach. 1594 finden wir ihn
wieder in Ungarn, wo er am 20. May desselben Jahres bey der Bestüt-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie