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174. Balz er.-—Ban.
Prag unter Anleitung seines rühmlich bekannten Bruders I oh . B. ver-
vollkommte. Größtentheils verfertigte B. heil. Bilder und Landschaften.
Unter seine vorzüglichsten Arbeiten gehören: Heil. Franz v. Assist,
Verlobung Maria, Maria Empfängnis; und heil. Aloys, nebst zwey
Titelblattern und Vignetten für die böhm. Ausgabe des Telemachs.
Balzer, Io l ) . / vorzüglicher Kupferstecher-, war geb. 1738 zu
Kukus in Böhmen. Seine erste Kunstanleitung erhielt er in derSchule
des berühmten Nentz. Hierauf ging B. auf Reisen, besuchte die mei-
sten Akademien in Deutschland, wo er sein Talent vollends ausbildete.
Nach seiner Rückkehr ins Vaterland lies; sich B. zu Lissau in Böhmen
häuslich nieder, und begann mit großem Fleiße zu arbeiten. Der Bey-
fall, welchen die meisten seiner Kupferstiche fanden, bewog ihn 1780
nach Prag zu übersiedeln, wo er reichliche Gelegenheit fand, seine
Kunst auszuüben/ und er erwarb sich bald ausgebreiteten Ruf und be-
deutendes Vermögen. 1791 wurde B. zum Mitgliede der Wiener Aka-
demie der bildenden Künste ernannt, und starb zu Prag am 14. Dec.
1799. Die Zahl seiner Werke ist sehr groß; sie zeichnen sich meistens
durch einen netten, kräftigen Grabstichel und steißige Ausführung aus.
Dle vorzüglichsten derselben sind nahe an 100 Abbild, böhm. und mähr.
Gelehrter und Künstler, meist nach Zeichnungen von Kl einhardt,
wovon die meisten sehr gelungen ausgeführt sind, dann noch mehrere
andere Porträts, Christus mit der Hostie, Franz von Assist, Arche
Noe, heil. David, Marienbild, heil. Georg, und noch mehrere andere
Heiligenbilder. Die Abbildung der Domkirche in Meißen, zu deren
Geschichte von I. Fr. Ursinus; ein Jüngling unter einem Baume
sitzend und die Flöte spielend; ein Mädchen mit einem Canarienvogel in
der Hand; der Exjesuit im Weltpriestertalare, eine Allegorie; Samm-
lung der merkwürdigsten Städte und Festungen, welche in den Jahren
1733—90 von den österr. und russ. Armeen den Türken abgenommen
wurden, 30 Kupferstiche in Querfolio; 50 Landschaften nebst vielen
Conversationsstücken und ländlichen Vorstellungen nach Norbert
Grund; ferner noch viele kleine Kupferstiche, Vignetten, Sinnbilder
und Wapen; endlich das große Alphabet in fünf Sprachen: deutsch/
böhm., latein., französ. und italien. in 25 Kupferblättern.
' B a n , BanuS/ eine alte Rathswürde (Erzamt) in Ungarn / be-
nalint von dem slavischen Worte Ban , Herr. Der B. von Croatien/
Dalmatien und Slavonien (oder jetzt auch nur der B. von Croatien ge-
nannt) ist unter den Erz-, Krön- und Reichsbeamten des Königreichs
Ungarn der Dritte. Bey der Krönungsfeyer trägt er den Reichsapfel.
Ehemahls hatte er die Pflicht, die Gränzen von Ungarn zu beschützen/
im Kriege seine Gränzmiliz anzuführen/ und in Friedenszeiten, dem
Volke Recht zu sprechen. In der Folge gerieth jedoch dieses wichtige
Erzamt in Verfall. Es wurde zwar auf den Reichstagen des 17. und 13.
Jahrhunderts mit ansehnlichen, politischen und militärischen Rechten
wieder hergestellt, doch ist sein Wirkungstreis theils durch den Verlust/
den das Königreich Ungarn in jenen Gegenden wider die Türken und
Venctianer erlitten hat, theils durch die eingeführte militärische Gränz-
pcrsassung und die aus den Ereignissen neuerer Zeit hervorgegangenen
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie