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176 Banater Baumwolle.
dortnieeinBanus/sondernimmereinComess^eml^sionZiz) befehligte; am
wahrscheinlichsten ist die von Manchen geäußerte Vermuthung/ daß
nach Eroberung des Severiner Comitates, dessen Gouverneur den Titel
Banus führte, durch die Türken, das nächstgelegene Temeser Comitat
zum Banat erhoben wurde,,, indessen (äsit sich bis jetzt durchaus nichts
Gewisses darüber angeben. Übrigens ist das sogenannte H. weder, wie
einige Ausländer vermuthen, ein von Ungarn abgesonderter Körper,
noch, wie selbst noch einige treuherzige Inländer glauben, eine sterile
Steppe, mit gräulichen Morästen angefüllt, unk der Sitz der verhee-
rendsten Krankheiten, mit einem Worte: Österreichs Sibirien; im Ge-
gentheil ist die ganze Strecke des sogenannten B.s eine der fruchtbarsten
in Europa, die Flüsse: Donau, Theiß, Maros, Kerös, Nera und
Temes durchströmen und bewässern es. Der Boden ist für Getreidebau
sehr geeignet, im Osten gebirgig, nur im Westen etwas sumpfig. Der
Hauptort des Temeser Comitates, Temesvar, gehört zu den regel-
mäßigsten, bestgebauten und reinlichsten Städten, die gesammten 3 Co-
mitate zu den bevöllertsten und gewerbthätigsten Ungarns. Es wird
hier auf Gold, Silber, Eisen und Kupfer gebaut, Getreide aller Art,
Tabak, Wein, Holz, Torf und Sumpfreis werden in nicht unbedeu-
tenden Quantitäten gewonnen. Bienen- und Schafzucht ist im guten
Stande, die Banater Baumwolle (s. d.) ist berühmt, selbst auch Sei-
denwürmer werden gepflegt. Noch findet man im B. viele römische Alter-
thümer. Einer der merkwürdigsten und besuchtesten Orte im B. ist der
Markt M eh adia mit seinen berühmten Bädern und Alterthümern (s. d.).
Banater Baumwolle. Die ersten Versuche, die Baumwolle
im Inlande zu cultiviren, machten die Brüder Christoph und Cyr i l l
v. Nako um 1783 mit dem Samen der macedonischen Baumwolle
in der Gegend von Temesvar auf ihren Herrschaften Oroß-Szent
Mi t los und Mar ienfe ld. Schon diese Versuche, obwohl sie nach
einigen Jahren aufgegeben wurden, hatten gezeigt, daß der Same der
Baumwollstaude in den südlichen Theilen Ungarns doch einigermaßen
reif werden könne. Noch mehr hoffte man von den erst vor wenigen Jah-
ren bey Fünfkirchen und in mehreren Districten des Banats und der
Militär - Gränze wiederhohlten Culturs - Versuchen der krautartigen
Baumwollpstanze, wovon seit 1809 die ersten Proben nach Wien ein-
geschickt wurden. Vielfaches Verdienst hat sich um den Anbau derselben
im Temesvarer Banate der Feldzeugmeister Freyh. v. Duca erworben,
nebst welchem man hier auch den königl. Cameral-Präfecten Johann
von Klanitzay zu Werschetz, den Major von Keugyel und den
Oberstlieutenant von Hordinßky unter den Beförderern des Baum-
wollbaues anführen darf. Sehr merkwürdig waren die Resultate, welche
die Verspinnung der 1811 erzeugten inländischen Baumwolle gewähr-
ten. Es wurden dreyerley Sorten zu Mulegespinnst verarbeitet. Die
Baumwolle aus dem deutsch-banatischen Regimentsbezirke war unter
allen die feinste und längste. Die Baumwolle aus dem Temesvarer Ba-
nate war ebenfalls ziemlich fein und lang. Die schlechteste Sorte war die
aus der Peterwardeiner Gränze; sie war kurzhaarig.und sehr unrein. In
der letzten Zeit scheinen diese Pflanzungen ganz eingegangen zu seyn,
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie