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INN Barth v. Barthenheim.
Menschheit widmete, ganz vorzüglich aus. So operirte und behandelte
er in einer von ihm eigens dazu errichteten Privatanstalt durch viele
Jahre eine große Anzahl dürftiger Augenkranken völlig unentgeldlich.
I?86 ernannte ihn Kaiser Joseph, welchen B. selbst von einem sehr
schmerzhaften Augenübel befreyt hatte, zum Leibaugenarzte und zum
Professor der höheren Anatomie und Physiologie. Unter dem unmittel-
baren Schutze dieses großen Regenten erbaute B. auf Kosten des Staates
zuerst ein zweckmäßiges anatomisches Amphitheater, welches bis dahin
noch nicht vorhanden war, mit diesem verband er eine treffliche Secir-
anstalt zur Übung eines jeden Studirenden, auch stellte er seine mit un-
säglicher Mühe, Kunst und Kostenaufwand seit vielen Jahren eingerichtete
anatomisch-pathologische Präparatensammlung zum öffentlichen Gebrauch
auf (dieses in seiner Art einzige Museum erkaufte späterhin KaiserIose pH
um 2,000 Ducaten und machte der medicinischen Facultät ein wahrhaft
kaiserl. Geschenk damit), und errichtete auch, durch freywillige Hingabe
eines großen Theiles seiner reichhaltigen und kostbaren medicinisch-chirur-
gischen Buchersammlung, eine sehr nützliche Lehranstalt in dem Universitäts-
gebäude, welche auch in jenen Tagen und Stunden offen stand, in wel<
chen alle andern hiesigen Bibliotheken geschlossen waren. Gleiche Thä-
tigkeit und ausgezeichnete Verwendung übte B. auch unter den Regie-
rungen Leopold's I I . und Franz I. und erhielt zu wiederholten Mah-
len die Anerkennung der Zufriedenheit dieser Regenten, obschon er bereits
1791, nachdem seine Liebe und Thätigkeit für alle öffentlichen Arbeiten mit
dem Tode KaiserIose pH's, seines großen Gönners, gelähmt waren, um
Entlassung von dem öffentlichen Lehramte ansuchte, welche ihm unter
den schmeichelhaftesten Ausdrücken gewährt wurde. Nun zog er sich mehr
in das stille Privatleben zurück, wo er sich dennoch sorgfältig um alle
Fortschritte bekümmerte, welche Anatomie, Physiologie und Ophthal-
mologie von Zeit zu Zeit machten, und auch Rath und Hülfe bey vor-
kommenden Fällen nie versagte. Er starb den 7. April 1318. Seine
Muskellehre, mit 45 Kupf. Wien 1319 neu ausgegeben, ist ein treff-
liches Studienweck.
Barth v. Barthenheim. Ein in Osterreich im gräfl. Bar th en-
heim'schen Stamme ansäßiges Geschlecht, das bereits 356 nach Christi
Geburt bekannt war, indem ein B. als nnieZ und Anführer der Rei-
terey Ludwig's I . , in einer Schlacht gegen die Wenden unweit der
Elbe siel. 1206 bis 1210 war Hermann w. B. 3. Hochmeister des
deutschen Ordens in Palästina, starb an seinen bey der Belagerung von
Tr i po l i erhaltenen Wunden, und wurde in der Kirche des mariani-
schen Hospitals vor derStadt Accon, neben seinen beyden Vorgängern
im Hochmeisterthume, Heinrich Waldbot von Paßen heim und
Otto v. B.
ist, in nachgewiesener ununterbrochener Stammfolge, der Ahnherr Ca-
spar's v. B. geb. 1483 gest. 1570, seit 1517 Albert's Markgrafen
zu Brandenburg, Cardinals, Erzbischofes von Magdeburg und
Churfürsten von Mainz , Kanzler, dieser wurde 1544 auf demReiche-
tage zu Speyer von Kaiser C a r l, V. jzum Ritter geschlagen. Dessen
S^n Christian v. B. Reichskammer-Gerichtsassessor zu Speyer.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie