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B a u i n w o l l s p i n n erey.
richtete 1796 auch die erste Maschinenspinnerey ip^Böhmen. So viel bis
jetzt bekannt ist, war diesi auch die erste Unternehmung von englischen
Spinnmaschinen, Water-Frames und Mule-Iennys, im österr. Staa-
te; denn die sogenannten sachs. oder deutschen Maschinen (West-Ien-
nicht ausgedehnt, betrieben. Bald folgten auch Graf Rottenhan
und Fürst Auersperg zu Tupadl in Böhmen in der Errichtung
engl. Maschinen nach. Diese böhtm Spinnereyen wurden aber nicht in
erheblicher Ausdehnung und auch nur zum eigenen Gebrauche der von
den Unternehmern errichteten Baumwöllwaaren- und Druckfabriken be-
trieben; es bleibt also immer der k. k. priv. Pottendorfer Oarnmanufac-
tur-Gesellschaft das Verdienst, die erste grosie Spinnerey zum Garn-
verkaufe im österr. Staate 1301 errichtet zu haben/ eine Manufac-
tur, welcher in der Ausdehnung außer der inOebweiler keine französische
gleich kommt, und die man auch in England unter die Zahl der größten
Etablissements rechnen würde, wobey sie in der Qualität ihrer Gespinn-
ste mit den vorzüglichsten Spinnereyen in Osterreich und auf deni Conti-
nente wetteifert. Im Verlaufe weniger Jahre entstanden außer der Pot-
tendorfer noch 6 andere Spinnereyen in Osterreich u. d. Enns. Es läßt
sich leicht denken, daß einem so neuen Gewerbe in dem Mangel än ge-
schickten Arbeitern, an Erfahrung und an hierzu ausgebildeten Hülfsge-
werben große Schwierigkeiten entgegenstehen mußten / die nur durch au-
ßerordentlichen Aufwand und durch besondere Beharrlichkeit und Anstren-
gung zu überwinden waren. Indessen wurden die Spinnereyen damahls
durch die lebhafte Nachfrage nach ordinären Garnen und durch die da-
mahls sehr hohen Garnpreise unterstützt. Sie hatten zwar durch Einwir-
kung fremder Concurrenz 1304 und 1807 eine ungünstige Periode zu
überstehen, genoffen aber dagegen bald einen Antheil an dem erhöhten
Verkehre, welchen die zunehmende Vermehrung des Papiergeldes/ deffen
höherer Werth im Auslande, und endlich die französt Continental-
Sperre hervorriefen. Es entstanden daher 1810 bis 14 mehrere neue
Spinnereyen in Osterreich, von denen in den folgenden Jahren mehrere
wieder eingingen, 7 aber bestehen blieben, obgleich einige unter ande-
ren Eigenthümern. Seit 1314gerieth überhaupt die Spinnerey, wie die
meisten anderen Gewerbe, in eine drückende Lage, besonders da sich zu
einer Menge bekannter nachtheiliger Einwirkungen noch eine immer wei-
ter um sich greifende auswärtige Concurrenz gesellte. In dem Zeitraume
von 1320 bis 26, wo die Staatsverwaltung mehrere, zur Aufrecht-
haltung des Prohibitiv-Systems dienende Maßregeln ergriff, entstan-
den in Österreich mehrere neue Spinnereyen.
Mit der wachsenden Ausdehnung und Vermehrung der unterösterr.
Spinnereyen nahm auch die Vervollkommnung ihrer Einrichtung und
ihrer Erzeugnisse zu. Das Streben nach Vervollkommnung hat sich beson-
ders seit 1320 und mit auffallend beschleunigten Schritten seit 1323 darge-
than. Man verdoppelte, ja verdreyfachte zum Theil die Quantität der
Erzeugnisse von der gleichen Spindelzahl, und stellte überdies; eine weit
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie