Page - 228 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe A-D, Volume 1
Image of the Page - 228 -
Text of the Page - 228 -
228 . B e e t h o v e n.
Leiden des Kraulen durch Beklemmung auf einen hohen Grad gesteigert,
sein Tod war jedoch ein sanftes Entschlummern. Er starb den 26. März
1327, „um unsterblich im Gesang zu leben." Was er an, Vermögen
hinterlassen/ vermachte er seinem Neffen; seine vorhandene Barschaft be-
stand indessen nur mehr in 4,000 fi. C. M., wäre indessen weit mehr ge-
wesen, hätte er seiner Familie nicht jederzeit so bedeutende Wohlthaten
erwiesen. Sein Begräbnis; wurde, um sein Andenken gebührend zu feyern,
und die Erbschaft seines Neffen nicht zu schmälern, auf Kosten seiner
Freunde besorgt. Das Leichenbegängnis; hatte am 29. März Nachmittags
um 4 Uhr Statt. Eine unermeßliche Menge Menschen begleitete den
Trauerzug, bey welchem Wien's erste Künstler und andere ausgezeich-
nete Männer den Reigen führten. Der Leichnam wurde nach dem schönen
Friedhofe zu Wahr ing gebracht, an seinem Grabe, welches nunmehr
ein einfach schönes Denkmahl schmückt, hielt der rühmlich bekannte Hof-
schauspieler Anschütz eine, von Ori l lparzer verfaßte, vortreffliche
Trauerrede. Eine Stelle derselben, gleich ausgezeichnet durch poetische
Kraft, wie durch die gelungenste Bezeichnung von B.'s Charakter als
Künstler und Mensch möge hier am Schlüsse Platz finden. „Ein Künstler
war er, und wer steht auf neben ihm? Wie der Behemoth die Meere
durchstürmt, durchfiog er die Gränzen seiner Kunst. Vom Girren der
Taube bis zum Rollen des Donners, von der spitzfindigsten Verwebung
eigensinniger Kunstmittel bis zu dem furchtbaren Puncte, wo das Ge-
bildete übergeht in eine regellose Willkühr streitender Naturgewalten,
Alles hatte er durchmessen. Alles erfaßt. Der nach ihm kommt, wird
nicht fortfetzen, er wird anfangen müssen, denn B. hörte nur da auf,
wo die Kunst aufhört. —Adelaide und Leonore! Feyer der Helden von
Vittoria und des Meßopfers gläubiges Lied, Kinder ihr, der drey- und
viergetheilten Stimmen! Brausende Symphonie! Freude, schöner Göt-
terfunken, du Schwanengesang! Muse des Liedes und des Saitenspiels,
stellt euch rings um sein Grab und bestreut's mit Lorbeern! Ein Künstler
war er, aber auch ein Mensch, ein Mensch in des Wortes vollkommen-
ster Bedeutung. Weil er von der Welt sich abschloß, nannte sie ihn feind-
selig, und weil er der Empfindung aus dem Wege ging, gefühllos. Ach,
wer sich hart weiß, der flieht nicht. Gerade das Übermaß derEmpsilüung
weicht der Empfindung aus. — Wenn er die Welt floh, so war's, weil
er in den Tiefen seines liebenden Gemüthes keine Waffe fand, sich i! r zu
widersetzen; wenn er sich den Menschen entzog, so geschah's, weil er
ihnen alles gegeben, und nichts zurück empfangen hatte. Erblieb ein-
sam, weil er kein Zweytes fand. Aber bis zum Tode bewahrte er ein
menschliches Herz allen Menschen, ein väterliches den Seinen, Gut und
Blut aller Welt. So war er, so starb er, so wird er leben für alle Zeiten!"
B.s Werke sind in systematischer Zusammenstellung folgende: I)
Nrn., d) mit Begleitung, 22 Nrn. 4) Musik für das Pianos. zu4Haw
den, 4 Nrn. 5) Duetten für Pianof. und Violine, 10 Nrn. 6) Duetten
für Pianof. und Violoncell, 6 Nrn. 7) Terzetten für Pianof., Violine
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie