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7l)2 Deutsche Schulen.
ser von Österreich zu ernennen. — Gegenwärtig ist der Erzherzog An-
ton V ic tor Hochmeister. Alle Beziehungen, welche den Hochmeister
sonst an das Grosicapitel banden, binden ihn gegenwartig an den
Kaiser, als Familienoberhaupt und Regenten der Primogenitur. Die
Gelübde sind nicht aufgehoben, und die Zulassung bereits aufgenomme-
ner Candidaten zum Noviziat und der Novizen in den Orden, so wie
die Vorrückung in den Commenden, besteht noch. Der Feldmarschall-
Lieutenant Eugen Graf v. Haugwitz ist gegenwärtig Landcomthur
der Balley Osterreich. An der Stelle des gegenwärtigen Deutsch-Ordens-
hauses in Wien (Singerstrasie) stand schon, als der Orden nach Oster-
reich kam, eine Capelle. In den wüthenden Feuersbrünsten, welche
Wien unter der Regierung Ottokar's von Böhmen verheerten, sank
auch die alte Capelle der deutschen Herren in Schutt und Asche. Die ge«
genwarti.qe Capelle wurde.1326 unter Friedrich dem Schönen (aus
dem Hause Habsburg) erbaut. Baumeister war Georg Schiffe-
r ing aus Nördl ingen. In der Sacrijrey befindet sich eine alte Mar-
mortafel, deren Inschrift das genannte Jahr der Erbauung verbürgt.—
Die Kirche ward der heil. E l i s a b e t h geweiht. 1395 ward die
Kirche verschönert, und 1707 unter dem Comthur Heinrich Theo-
bald Grafen v. Goldstein (starb 1730), renovirt. Das Innere
dieser Ordenskirche gewährt einen feyerlichen hehren Anblick. Die vielen
daselbst an den Wänden angebrachten Wapenschilde der Heimgegangenen
Comthure und Ritter, ihre Grabdenkmahle, und die übrigen reichen
Verzierungen der Kirche in Gold und Marmor und gemalten Fenstern,
machen einen besonders ergreifenden Eindruck auf den Beschauer; — das
Hochaltarblatt (die heil. El isabeth, Königinn von Ungarn) ist von
T.Bock, ein werthvolles Gemälde. Der älteste Grabstein der Kirche
ist von 1453. Untsr den Grabmählern der Comthure ist jenes des Gra-
fen Guido v. Starhemberg, Neffen des berühmten Vertheidigers
von Wien gegen die Türken (1683), das sehenswertheste.
Deutsche Schulen. Der Grund zur jetzigen vortrefflichen Ein-
richtung des deutschen Schulwesens in der österr. Monarchie wurde un-
ter Mar ia Th eresia um 1754 durch die Bemühungen des gelehrten
Gerard van Swieten gelegt. Durch Abt Felbiger wurde 1774
die sogenannte Normalschulmethode in der österr. Monarchie eingeführt,
und in der Folge vielfach verbessert. Die Arten der deutschen Schulen
sind: Trivialschulen auf dem Lande und in den Städten, worin sowohl
Knaben als Mädchen, gewöhnlich in zwey Classen, unterrichtet wer-
den; eigene Mädchenschulen; Mädchenschulen für gebildete Stände;
endlich Haupt-, Normal- und Realschulen mit 3 und mehreren Classen.
Die Oberaufsicht über die deutschen Schulen ist in Wien einem Dom-
herrn, der dadurch die Würde eines Consistorialrathes und Schul-Ober-
aufsehers erhält, auf dem Lande dem Dechant jedes Districtes anver-
traut, die nächste unmittelbare Aufsicht über jede Trivialschule und auf
dem Lande auch über jede Hauptschule hat der Ortsseelftrger. Die Kreis-
ämter und Consistorien haben gleichen Rang in der obern Leitung des
Schulwesens, und überreichen die jährlichen Übersichten der Districts-
aufseher mit ihren Bemerkungen und allfälligen Verbesserungsvorschlä-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie