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Dichterkrönung in Oesterreich. 7N7
erscheint mit vielem Gefolge Bacchus/ von dem Schlesier V i n c. Lon-
gin us dargestellt, und bittet den Kaiser um Ertheilnng des Lorbeers.
Max imi l ian tritt vor, krönt den knieenden Gott der Reben, und
der ganze Chor bricht in lauten Jubel aus. Zu den Vorzüglicheren,
die von Max im i l i an selbst dieser Auszeichnung in Wien gewürdigt
wurden, gehören der vielseitig gelehrte, und als Geschichtsschreiber,
Staatsmann und Macen gleich geachtete Ioh . Cuspinianus (1493),
der Böhme I oh . Panet ianus 1505, der thärige Kremser Th om.
Nesch 1503, und später Ursinus Ve l l i us , durch seine Geschichte
des Krieges in Ungarn uns noch immer werth; der Schweizer Joa-
chim v. Wa t t (Val1l3nu8) aus der Reformationsgeschichte seines Va-
terlandes allbekannt; Rudolph Agr icola von Wasserburg am
Bodensee; I o h . Rosin us, Canonicus bey St. Stephan, als
Prediger berühmt; der Rechtsgelehrte Ph i l ipp Gundel , unsterb-
lich in den Annalen der Wiener Hochschule u. a. m. Seine tiefe innige
Achtung für wissenschaftliche Leistungen beurkundete Max imi l ian zu
Ende des Jahres 1501; indem er die Verdienste des unermüdeten Celtes
auf eine Weise würdigte, die eben so zart, als ehrenvoll ist. Es erfolg-
te nähmlich die Ermächtigung, dasi in Zukunft Celtes und seine Nach-
folger als Vorsteher des Collegiums der Beredsamkeit und Dichtkunst
den poetischen Lorbeerkranz Jedem ertheilen konnten, der nach einer ern-
sten Prüfung dessen würdig befunden worden. (Die Urkunde im don-
5pecl. kiöwi-iÄL lInivei-Z. Vienn.) Wie oft sich Celtes dieser Auszeich-
nung bediente, hat die Geschichte nicht niedergeschrieben; der berühmte
Mathematiker I oh . S tab ius erhielt 1512 den Lorbeer aus seiner
Hand. Gewiß ist es, dasi nach seinem Tode die Universität sehr sel-
ten davon Gebrauch machte. Die bald erfolgten Neligionsneuerungen
wirkten überhaupt auf Wien's literarisches Fortschreiten nachtheilig ein;
es verschwand immer mehr der belebende Geist, und dazu kamen noch
die verheerenden Züge der Türken. Erst nach 57 Jahren gelang es dem
Streben eines vielfach ausgezeichneten Mannes, das alte Vorrecht wie-
der herzustellen, und zu bewirken, daß in kurzer Zeit Wien zwey
Feyerlichkeiten sah, die durch würdevolle Haltung und Anzahl der Ge-
krönren gleich bemerkenswerth erscheinen. Georg Eder, eben so be-
rühmt als wackerer Bekampfer des Lutherthums, wie als wachsamer
Wachter für ehrenvolles Fortbestehen der Wiener Hochschule, war der
Mann, der alles beachtend, was den Wissenschaften förderlich, die
D. in ihrer ersten schonen Idee wieder auffasite, und von neuem be-
gründete. 1553 erhielten aus der Hand des Pau l Fabr ic ius zu-
gleich drey ausgezeichnete Manner den Lorbeerkranz: V i tus Iaco-
baus von Nürnberg, I oh. Lauterbach aus der Oberlausitz uttd
El ias Corb.inus v. Ioachimsthal. Eine zahllose Menge von Zu-
schauern verherrlichte den schönen Act, und die allgemeine Theilnahme
sprach sich laut und innig aus. 2 Jahre spater, 1560 wurde unter glei-
chem Jubel des Volkes die Feyerlichkeit erneuert, und die Gekrön-
ten: Peter Dorfner (?axanu5) aus Hessen, Caspar Cropacius
von Pi lsen und Ionas Hermann von Gölnitz von allen Seiten
mit Ehrenbezeigungen überhäuft. Allein bald gab es in Deutschland
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie