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7N8 Dickmann'sche Münzen- :c. Samml.— Dienersberg.
mehr gekrönte als wirkliche Dichter, und so musite, was früher Ehr«
furcht und Liebe erzeugte, zum Gespötte selbst der Besseren werden.
Auch in Wien sank es zum Spielwerke herab. Unwürdigen, unbär-
tigen Knaben ward das Haupt geschmückt, und somit ist es wohl gut
gethan, einen Schleyer darüber zu werfen, um ungestört am alten
Geiste uns zu laben. — Ward Einer des poetischen Lorbeers würdig be-
funden, und rückte die Stunde der Verleihung heran, so strömte eine
grosie Menge nach dem zur Feyerlichkeit bestimmten Orte. Hier hielt
der dazu ernannte Professor der Universität als Repräsentant der Dicht-
kunst, auf einem Katheder stehend, die vorgeschriebene Rede, darin er
des Stifters Absicht und Gesetze entwickelte, die verschiedenen Privile-
gien erneuerte und am Ende den Candidaten aufforderte, naher zu
treten, um den festgesetzten Eid zu leisten. Hierauf gab er ihm ein offe-
nes und ein geschlossenes Buch mit der Bemerkung: Daß es seine Pflicht sey,
aus jenem die Kenntnisse und Erfahrungen der Vorzeit mit Liebe und
Ausdauer zu schöpfen; in dieses aber die Resultate seiner eigenen Geistes-
thätigkeit einzutragen, um so der Mit- und Nachwelt nützlich zu werden.
Nach diesem erfolgte die Schenkung eines goldenen Ringes, in dessen
Mitte ein Jaspis glänzte, mit der Erklärung: Die heilige Poesie ver-
lange dadurch, das; er nie das Geboth reiner Sitten verletze, darum
erinnere ihn das Gold, er möge sich hüthen, seinen Geist mit niedriger
Sinnllchkeit zu verunreinigen, die Rundung des Ringes mahne an
Einigkeit, und der Jaspis in der Mitte zeige makellosen Glanz innerer
Güte. Nun näherte sich der Repräsentant dem Dichter und gab ihm den
Kusi des Friedens, zum Zeichen, daß er in Liebe und Freundschaft leben
solle mir Allen, denen Kunst und Wissenschaft, Recht und Billigkeit
am Herzen liegen. Bey dem Aufseben des Lorbeerkranzes, das zuletzt
erfolgte, erscholl von allen Seiten Beyfallsruf und mit einem Segens-
spruche und dem: ^6 inhuam, irez, 6ico I^aui-cawm, schloß das
erhebende Schauspiel.
Dickmann'sche Münzen- und Medaillen-Sammlung in
Wien. Den Grund zu dieser zahlreichen, aus größtentheils seltenen
Silbermünzen bestehenden Sammlung, legte die Besitzerinn Johanna
v. Dickmann durch den Ankauf der zwar kleinen aber ausgewählten
Sammlung des Malers Herbst, und setzte diese mit einer solchen Sach-
kenntnis; und Vorliebe fort, das; ihr Münzencabinet sich durch Anzahl
und Reichthum an seltenen trefflichen Stücken besonders auszeichnet. Die
Sammlung umfaßt nur Münzen der neuen und neuesten Zeit, und er-
streckt sich nur bey einigen Fächern als z. B. deutschen Kaisern, Königen
von England :c. in das Mittelalter, enthält jedoch auch hierin die vor-
züglichsten Stücke. — Die Sammlung ist nach dem Madai'schen Sy-
steme, welches auf den Verfügungen des westphälischen Friedens beruht,
geordnet, jedoch mit Veränderungen.
Dienersberg , die Freyherren , wanderten im 16. Jahrhun-
derte aus dem deutschen Reiche ein, um den Religionsverfolgungen zu
entgehen; sie siedelten sich theils in Kram, theils in Steyermark an,
und brachten in Steyermark die Güter Weichselstätten, Gra sch-
nitz, Ponickl , Einöd, Unterl ichtenwald, Ru th , Stern-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie