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Dietrichstein/ Ios. Carl Graf v. 715
daselbst wurde.— Er kehrte demnach im Avril 1594 wieder nach Nom
zurück; doch bald darauf ernannte ihn K. Rudo lph zum Propste von
Leitmeri tz, und somit musite er Rom wieder verlassen, um seine
ncue Residenz zu beziehen. 1597 ward er endlich zum Priester geweiht,
nnd nun ging er auf wiederhohltes Begehren des Papstes abermahls nach
Rom. Um diese Zeit starb iVtanislaus Pawlowsky, Bischof zu
Olmütz; an dessen Grelle wünschte der Papst seinen geheimen Käm-
merer zu bringen, allein das Domcapitel hatte freye Wahl, und somit
machte es große Einwendungen. Papst C l e m e n s versetzte am 3.
May 1599 D. in die Zahl der Cardinale; und nun erwählte,
zumahl Kaiser Rudolph selbst sich sehr angelegentlich verwendete, das
Domcapitel ihn einstimmig zum Bischöfe. — Was er als solcher ge-'
wirkt, geschaffen, wird in den Jahrbüchern Österreichs, und insbeson-
dere Mährens stets Ehrfurcht und Bewunderung erregen. Kaum war er
in seinem Kirchensprengel angekommen, kaum gewahrte er die furchtbare
religiöse Spaltung, so war es ihm klar, daß dem Übel nur durch eine
bessere Richtung des katholischen Clerus könne entgegengearbeitet wer-
den. Darauf richtete er nun sein ganzes Augenmerk, und die Früchte
ware'i seiner Mühe würdig; denn das von allen Secten zerrissene Mah-
ren kehrte in kurzer Zeit zum gemeinsamen Glauben und zur Ruhe zu-
rück, obgleich ein großer Theil des Adels erst durch die Schlacht am wei-
ßen Berge unschädlich gemacht wurde. — Eben so große Verdien-
ste, wie um die Kirche hat Cardinal D. um den Staat. Er wurde
häusig von den Kaisern Rudo lph , Ma th ias und Ferdinand
als Rath, Vermittler und Gesandter gebraucht; überall bewährte er
grosie Einsichten und thätige Vaterlandsliebe. Selbst als Krieger ist er
aufgetreten durch die Oberleitung des mährischen Hülfsvolkes gegen die
Türken in Ungarn; doch steht er als Menschenfreund, als Gelehrter und
Mäcen der Wissenschaften am höchsten. Selbst Verfasser mehrerer theo-
logischer Werke, förderte er, wo er nur konnte, die Sache der Ge-
lehrten. Unter seinem Schuhe sind viele Werke ans Tageslicht getreten;
und die große Bibliothek zuNikolsburg verdankt ihm ihren Ursprung.
Die Denkmahle indessen, welche seine Humanität gegründet, die vie-
len geistlichen und weltlichen Gebäude, und die errichteten Stiftun-
gen, geben fürwahr dem schönen Bilde die Weihe der Vollendung. Da-
bin gehören vorzugsweise die Metropolitankirche zu Olmütz und die
Einführung der Schulen durch die Piaristen in Nikolsb u r g. Und Al-
les leiteteer selbst; seine Thätigkeit war gränzenlos. Solche Verdienste
erheischten ausgezeichnete Anerkennung. Er wurde 1622 in den Reichs/
fürstenstand erhoben, und diese Würde (1631) auf seinen Neffen Ma-
x imi l ian , und so fort für immer auf den Altesten der Familie ausge-
dehnt. Mit dieser verdienten Würdigung des Hofes verband sich die
allgemeine Liebe des Volkes, welche sich besonders durch die Tiefe der
Trauer bewies, die Aller Herzen bey des wahrhaft großen Mannes Tod
erfaßte. Er starb am 19. Sept. 1636. Sein Leichnam wurde in der
Domkirche zu O l m ü tz beygesetzt.
Dietrichstein, Ios. Carl Grafp., der Letzte aus der gräflich
Dietrich st ein-Hollenburg'schen Linie, war geb. zu Wien den 19.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie