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Dinara. — Dinzenhofer/ Ril. Ign. 717
u«d siavische Einwohner; hat eine schöne Pfarrkirche und mehrere Stampf-
und Goldwaschmühlen; aber der Bergbau ist im Verfall.
Dinara, dalmat. Berg, 5,663 Wiener F. hoch, im Hauptzuge
der dinarischen Alpen gelegen, welchen er den Nahmen gibt.
Dinarische Alpen, s. Alpen.
Dinzenhofer, Rilian Ign., unstreitig der größte Architect in
Böhmen. Zu Prag den 1. Sept. 1690 geboren, besuchte er dort,
nach dem Willen seines Vaters, nicht nur die lateinischen Schulen, soll-
dem er hörte auch zugleich mit der Philosophie mathematische Vorlesun-
gen an der Universität, und machte sich insbesondere mit den Anfangs-
gründen der Architectur bekannt; dadurch entstand bey ihm der Wunsch,
sich dem letztem Fache ganz zu widmen, dem auch der Vater gern nach-
gab, und bey dem Bau der Magdalenenkirche auf der Klemseitr der
Stadt P rag , dann des Stiftes Brzewnow und der dortigen Kirche
ausier derselben, mit welchen er gerade damahls beschäftiget war, dem
Sohne alle Gelegenheit verschaffte, die Regeln der Baukunst mit der
Ausübung zu verbinden. So durch den väterlichen Unterricht vorbereitet,
arbeitete er zu Wien , wohin er sich nun begab, mit vielem Beyfalle
unter mehreren berühmten Baumeistern. Er war eben im Begriffe
nach Italien zu reisen, als der Tod seines Vaters, den 20. Iuny 1722,
ihn nach Prag zurückzukehren, und also die Ausführung seines Vor-
satzes um etwas zu verschieben zwang. Dafür fand er in einer beträchtli-
chen Erbschaft die nothigen Mirtcl , noch mehr zu thun, als er sich vor-
genommen hatte. Er besuchte also später nicht nur Venedig, Ma i -
land, Florenz, Rom und Neapel, sondern auch Frankreich und
England, siudirte aller Orten die vorzüglichsten Meisterwerke, und ver-
fertigte Zeichnungen von denselben. Der Fleiß, den er mittlerweile auf die
Erlernung der italienischen, französischen und englischen Sprache ver-
wendet hatte, ward ihm durch das Zutrauen, das ihm die größten Bau-
meister jener Nationen schenkten, und durch ihre gründlichen Belehrun-
gen belohnt. Nach seiner Rückkehr nach Prag kündigte er sich seinen
Landsleuten als einen großen Baumeister durch ein Haus an, das er
nach einem aus Italien mitgebrachten Plane in jenem Garten der Neu-
stadt aufführte, der von den Figuren auf der Gartenmauer noch immer
der Zwerggarten heißt. Der Geschmack, der darin herrschte, fand allge-
meinen Beyfall, und von nun an ward D. mit Aufträgen überhäuft,
deren er sich immer mit dem Ruhm eines großen Künstlers entledigte.
Den 17. Dec. 1752 starb er in einem Alter von 62 Jahren. Von seinen
Söhnen waren zwey Benedictiner: Procov zu Brzewnow, und
Benno zu K ladrau; einer, Wi lhe lm, starb 1307 zuHohenelbe
als Augustinerprior. Der jüngste, Wenzel (s. d.), wurde Jesuit. Die'
größern Gebäude, wodurch D. jeinen Nahmen verewigte, sind: Zu
Prag das Ursulinerkloster und die Kirche auf dem Hradschin. — Die
Abtey des Benedictinerklosters bey S t . Nicolaus sammt Kirche. —
DerhintereTheil der Kirche des h. Nicolaus auf der Kleinseite, welche
vormahls den Jesuiten zugehörte, und der an Schönheit und Größe
wenige Kirchen in den benachbarten Ländern gleich kommen. — DasAu-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie