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Donaucanal.— Donaufahrt v. Engelhartszell:?. 737
ins Trockne geschasst wurden. Den 1. Nov. passirte bereits das erste Schiff
den Canal, wodurch alle Zweifel/ welche man bisher über die möglich?
Bewirkung der Schiffbarkeir der D. in dieser Gegend für immer schwan-
den und die Regierung diesem bisher verwaiste»/ in wüsterWildniß liegen-
dem Landestheile unstreitig eine große Wohlthat erwiesen hat.
Donaucanal bey Wien, ist eigentlich ein natürlicher, aber
wegen der zu starken Versandung unter Kaiser Rudolph I I . neu aus-
gegrabener, und 1693 abermahls regulirter Donauarm.
Donaufahrt von Engelhartszell an der bayer. Gränze
bis Wien. Diese Fahrt von dem romantisch gelegenen/ obschon an ftch
nicht eben schonen Gränzorte Eng elh artszell bis Wien ist eine der
reizendsten Wasserfahrten. Von Eng elh artszell bis Neubaus bilden
Ruinen/ Felsenwände, malerische Hüttengruppen und Mühlen die herr-
lichsten Prospecte in dem engen Waldtha^e, welche die Donau in den
wunderlichsten Krümmungen durchzieht. Auf einem Felsenvorgebirge, um
welches sich eine der stärksten Donauströmungen im weiten Bogen treibt,
liegt die machtige Wart von Hayenstein/ dicht hinter einander folgen
die Schlösser von Ranariedel und Mo esbach, die Ruinen von
Waldkirchen und Hayenbach und bilden den schönsten Anblick.
Die Gegend am rechten Donauufer/ Schlag leiten genannr, ist merk-
würdig, indem von hier bis Passau eine Art Wasserpost besteht. Auf
einmahl strömt die Donau wüthend durch ein wild-schauerliches, ödes
Felsenthal, wo auch dem Schiffer bey einer Felsenwand an den sogenann-
ten Donauhäusern alle Aufmerksamkeit anzuempfehlen ist, nun er-
scheint bald das grosiartige Schloß Neuhaus und die Ruine Parte n-
stein, an der Michl gelegen, wo sich der große Rechen der berühmten
Schwarz enberg'schenHozschwemme aus Böhmen befindet, die Gegend
bekommt nun ein freundlicheres Aussehen und läuft bey dem stattli-
chen Markte Asch ach, den ein Schloß und Park ziert, vollends in eine
Ebene aus, wo man die ersten Weingärten erblickt und auch die fernen
Hochalpen des Salzkammergutes sichtbar werden. Von hier bis Linz,
durch dessen Anblick man auf einmahl, wie durch einen Zauberschsag über-
rascht wird, ist die Gegend voll der reizendsten Abwechslungen. Bey Linz
bildet der Fluß anfänglich einen großen Bogen nach Norden, fallt aber
dann wieder plötzlich nach Süden. Nicht weit vonSteyreggfällt die Traun
in die Donau und ihr schönes grünliches Wasser strömr noch beynahe eine
Stunde unvermischt mit den gelblichen Fluthen der Donau. Bis zur schönen
Abtey St. Florian werden die Ufer wieder eintömger, nur die Alpen im
Hintergrunde und einige Schlösser und Ruinen bringen Leben in dgs Bild.
Besonders schön ist der Anblick der Ruine Spielberg, auf einer Fel-
seninsel mitten im Srrome, hier brechen sich jedoch die Wogen mitMacht,
eine Art Wasserfall, Neubruch genannt, bildend, welcher behutsame
Fahrt erfordert. Den Spiel berg vorbey, erblickt man den gro-
ßen und wohlhabenden Markt Mauth hausen mit seinen 3 Granit-
brüchen (von welchen auch das Postament der Iosephsstatue in Wien
genommen wurde) und den Anfang der Eisenbahn, auf welcher das auf
der Traun herabgekommene Salz nach Budweis zur Moldau verführt
wird. Bis zu dem schönen Schloß Nieder-Wallsee am rechten Donau-
Oesterr. Nat. Encyki. Bd. l ^
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie