Page - 745 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe A-D, Volume 1
Image of the Page - 745 -
Text of the Page - 745 -
Drachenorden.— Draxler-Manfred. 745
Prinz Eugen nicht zuließ. Nach dessen Tode verfinsterte sich die
Sonne seines Glückes/ und obgleich er mit der Fackel der Unschuld und
der Wahrheit, das geheime schlangenähnliche Schleichen seiner Ver-
leumder und ihre finstere Bosheit aufdeckte, diese auch nicht verhindern
mochten, daß er zum Feldmarschall-Lieutenant erhoben wurde, so war
eben diese Auszeichnung, und das mit ihr ihm übertragene Commando
der eroberten türkischen Festung Nissa, die unglückliche Ursache seines
Falles. Er übergab nähmlich dieselbe an die Türken mit Accord, als diese
kaum angefangen hatten, sie einzuschließen; wurde darüber in Arrest
gesetzt, untersucht und 1733 zu Belgrad enthauptet.
Drachenorden, in Ungarn,gestiftetvon König S ig ismund von
Luxemburg, nach der ungehe ren Niederlage von Nikopol gegen
das Ende des 14. Jahrhunderts. Das Ordenszeichen war ein Lindwurm,
an einem Kreuze hängend, auf welchem der Länge nach stand : „O yuam
misei-icol-Z 65t veuz" und nach der Quere: „,Iu5tu5 est piu8." Längere
Zeit blieb das Bestehen des Ordens ein Geheimniß, am 12. Dec. 1403
aber erklärte Sigismund die Drachenritter als eine besonders verehrungs-
würdige Gesellschaft ungarischer Großen, die ihm, auf der Flucht
und in der Gefangenschaft, stets treue Anhänglichkeit bewiesen hatre.
Auch Fürsten und Herren des Auslandes traten der Gesellschaft bey; wie
z. B. Herzog Ern st der Eisern e für sich und seinen Vetter und Mündel
Albrecht V. und mehrere Adelige in Osterreich und Sreyermark. Aus
der Verleihung des Ordenszeichens, das vollständig in Kreuz und Lind-
wurm, oder im Letzteren allein nur bestand, läßt sich auf einen Unter-
schied des Ranges schließen. Der Orden selbst verfiel und verschwand
eben so schnell, als er entstanden war, wie Alles, was der leichtblütige
Sigismund begonnen.
Draxler Manfred, Carl Ferd., geb. am 17. Iuny 1805,
zu Lemberg, übersiedelte späterhin mit seinem Vater. (k. k. Came-
ralrath) nach Prag, und privatisirt seit 1823 in Wien. Er studirte
die Philosophie und Rechte in Prag und Wien, ist seit 1329 Doctor
der Philosophie, literarisch thätig seit 1323. Er bereiste zum großen
Theil den österr. Kaiserstaat, und 1827 Norddeutschland, wo er in
vielfache liter. Berührungen gelangte. Als Dichter unter dem Nahmen
Manfred, der auf Tieck's Veranlassung gewählt wurde, bekannt,
lieferte er unter diesem: Romanzen, Lieder und Sonette, Prag, 1826.
— Die Löffelritter, Erzählung, Hamburg, 1326. — Unter der Chiffre,
K. L. W. v. Klinger lieferte er: Das Kloster am St. Bernhard, Er-
zählung aus den Papieren eines Freundes, Meißen 1326. — Eßlair in
Prag, eine kritische Skizze, Prag, 1827.— Glockenblumen; eine Rei-
he von Novellen und Erzählungen. 2 Thle., Braunschweig, 1327 —
23. — Neuere Gedichte, Prag, 1823 — Bunte Bilder in Erzäh-
lungen, Novellen, Balladen; Nürnberg, 1329.— Hernani nach Vict.
Hugo frey übersetzt, Leivzig, 1830. — Unter seinem wirklichen Nah-
men erschien: Schiller's Hymne an die Liebe, in lateinische gereimte Ver-
se übersetzt, 1825. — Anonym erschienen von ihm: Des P. Ooidius
Naso Lieder der Liebe in deutsche Reime übertragen, Leipzig 1827. —
Iugendschriften und Populäres lieferte er unter der Chiffre: Dr. F. C
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie