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Draskovics Ioh., Graf. — Draskovics, Ios. Graf. 747
Theologie aber in Rom, wo er1539zumPriestergeweihtwurde. Wenige
Jahre darauf wurde er Domherr zu Großwardein, 1546 infulirter
Propst der Collegiatkirche St. Martin zu Preß bürg, bald hierauf
Rath und Beichtvater Ferdinand's I. und 1557 Bischof zu Fünf-
kirchen. Nach 4 Jahren schickte ihn Ferdinand I. als seinen Redner
nach Trient. Hier entwickelte er eben so viele Umsicht, als Freymü-
thigkeit; durchgreifend und mit hohem Ernste sprach er über den Zustand
des Clerus, über Kirchenzucht u. s. w. und noch vor seiner Zurückkunft
ward er zum Bischöfe von Ag ram ernannt. König Maximi l ian I I .
erhob ihn 1567 zum wirklichen geh. Rathe und Banus von Croatien,
und als solcher unterdrückte er 1572 mit Waffengewalt einen Bauern-
aufstand zuSzomsz 6 dvä r. Von König Rudolph I I . zum Bischöfe
von Ra ab und Erzbischofe von Colocsa, 1573 zum ungar.Hofkanz-
ler und 1536 zum Statthalter des Königreichs Ungarn ernannt, so'wie
von Papst Six tus V. im Jan. 1585 mit der Cardinalswürde be-
ehrt, war er gleichfort thatig im Dienste seiner Kirche und seines Für-
sten bis zu seinem Tode, der am 31. Jan. 1533 in Wien erfolgte,
als er eben im Begriffe stand, sich den Cardinalshut in Rom zu hohlen.
In - und Ausland betrauerten den Hintritt eines Mannes, der so viel
des Guten durch Wort und That gewirkt. Seine hinterlassenen Schrif-
ten beurkunden einen von Vorurtheilen freyen, klaren, kräftigen Geist,
und alle seine Handlungen reinen Willen. — Seine Verdienste wür-
digend, hatre Maximi l ian I I . seinem Bruder Caspar 1569 das
Schlosi und die Herrschaft Trakostyan (Drachenstein) in Croatien
erblich verliehen; bis jetzt noch immer die Hauptherrschaft dieser Familie.
Draskovics, Ioh . Graf, Freyh. von Trakostyan, Kaiser
Rudolph's I I . Kammerer, geh. Rath, Hofkriegsrath und General
der Cavallerie, legte den Grund zu seiner militärischen Laufbahn unter
dem Banus von Croatien, Thomas von Erdödy, in den Kriegen
gegen die Türken. Als Feldherr schlug er diese bey Kopreinitz, ent-
setzte 1592 Essegg, und wurde kurz hieraufCommandant der Festung
Kreutz. Nach 4 Jahren erhielt er die Würde eines Banus von Croa-
tien, befestigte Pet r in ia , besiegte in mehreren Schlachten die Türken,
und trug 1600 sehr Vieles zum Siege bey Kanisa bey. Im Jahre
1606 aber legte er, wegen eingetretenen Mißhelligkeiten, die Banus-
würde nieder, versah hierauf mehrere hohe Amter, und lebte bis 1613
abwechselnd zu Wien und Preß bürg, wo er im genannten Jahre
starb.
Draskovics, Ios. Graf, Freyh. v. Trakostyan, jüngster
Sohn des Vorigen, studirte zu Gratz die philosophischen Wissenschaf-
ten, und machte hier, besonders in Sprachen, außerordentliche Fort-
schritte. Hierauf wählte er die Laufbahn seines Vaters, bewies bey meh-
reren Schlachten in Ungarn und Slavonien eine seltene Tapferkeit, und
wurde 1637 Commandant der Festung Krentz. Schon nach 3 Jahren
war er Banus von Croatien, geh. Rath, und 1646 Palatinus des
Königreichs Ungarn. Als ihm einige Magnaten den Vorwurf machten,
daß er in Ungarn nicht begütert, überließ ihm Ferdinand I I I . ,
der ihn sehr liebte, die Herrschaft Ovar (U ngarisch-Altenburg)
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie