Page - 755 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe A-D, Volume 1
Image of the Page - 755 -
Text of the Page - 755 -
Dreyßigjahriger Rrieg. 755
nichts mehr übrig, als die noch zum Kriege Oerüsteten zu entwaffnen/
und neue Versuche zu hindern. Mans fe ld , Thu rn , der Markgraf
von Iägerndorf, und von neuem G a b r i e l B e t h l e n waren
noch immer nicht bezwungen; letzterer schlosi jedoch den Nikolsburger
Frieden (6. Jan. 1622), und der noch einzig gefahrliche Mansfe ld
musite/ von T i l l y gedrängt, Pi lsen und Böhmen verlassen, und
sich nach der Oberpfalz ziehen. Hier schien sich für den vertriebenen
Friedrich die Sache besser zu gestalten, zumahl als sich auch Georg
Friedrich von Baden und der Herzog von Braunschweig und Ad-
ministrator zu Halberstadt, C.hristian, für ihn erklärten; allein
T i l l y ' s Siege bey W impfen und Höchst gaben den Ausschlag —
die Entwaffnung war vollendet. Mans fe ld ging nach Lothringen,
Und stieß von hier zu deu Niederlandern. —- Bis jetzt hatte der König
von England für seinen Schwiegersohn den Churfürsten von der Pfalz
wenig oder nichts gethan; nun schien es ihm oder vielmehr seinen Mini-
stern höchste Zeit, nicht nur rathend, sondern auch wirkend, aufzutre-
ten. Seine Neigung zog ihn jedoch zu Unterhandlungen; so verstoß das
ganze Jahr 1624, und indessen hatte Kaiser Ferdinand die größte
Schwierigkeit besiegt, und die Belehnung Bayerns mit der Churwürde
bewerkstelligt. Die Protestanten setzten sich dagegen; der medersachsische
Kreis rüstete sich zum Kriege, Mansfe ld wirkte zu London, Chri-
stian von Braunschweig zu Par i s ; Dänemark und Schweden wa-
ren kampffertig.'Die fortwahrende Gegenreformation in den Erblandern,
Ti l ly 's Walten in der Churpfalz schien ihnen zu gefahrlich, und
obgleich Schweden aus Eifersucht noch zurücktrat, und manche andere
zurückgedrängt wurden, kam doch das Bündnis; gegen Kaiser und Liga
zu Stande und der dänisch-niedersächsische Krieg zum 'Ausbruche. Chri-
stian von Dänemark erhielt den Oberbefehl, abgesonderte Heere soll-
ten unter Mansfe ld und Herzog Christ ian agiren. Noch vor
Ende des Sommers standen die Heere im Felde. Kaiser Ferdinand
war indessen nicht müßig gewesen. Wal lenste in , der von nun an
entscheidend auftrat, hatte auf seine Kosten zum Dienste des Kaisers ein
selbstständiges Heer geworben, und T i l l y zog von allen Seiten Truppen
an sich. Nachdem der Churfürst von Sachsen und der Herzog von Braun-
schweig vergebens als Vermittler aufgetreten waren, begann am 19. Iuly
1625 T i l l y die Feindseligkeiten, und benutzte den Unfall, welcher den
König zu Hammeln traf, ganz zu seinem Vortheile. Wal lenstein
drang in Halberstadt und Magdeburg ein, besetzte Anhalt,
und wählte den Elbestrom zu seinen Unternehmungen. Am 24. April
1626 schlug er den Grafen von Mansfe ld an der Dessauer Brücke,
und verfolgte ihn durch Schlesien nach Ungarn, wo M a n s fe ld ' s
und E r n s t von Weimar's Heere aufgerieben wurden. Mit gleichem
Glücke focht T i l l y gegen Chr ist ian von Dänemark. Dieser ver-
lor einen Posten nach dem andern; die Schlacht bey L u t t e r (27.
Aug. 1626) am Barenberge zwang ihn, die Gränzen seines Landes
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie