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Dreyßigjahriger Rrieg. 757
Oder. Pappenheim und T i l l y zogen nun den Rest der lais. Trup-
pen an sich, und letzterer belagerte und zerstörte Magdeburg auf eine
Art, die selbst in Wien Entsetzen erregte. Der Churfürst von Bran-
denburg, Bernhard von Weimar und der Landgraf von Hessen-
Cassel erklärten sich hierauf für Gustav Adolph; ihnen folgte viel-
fach gereizt, besonders durch Ti l ly 's Besetzung Leipzig's, der Chur-
fürst von Sachsen. Der Schwedenkönig setzte nun schnell über die Elbe,
vereinigte sich mit den Sachsen, und schlug am 7. Sept. 1631 un-
weit Leipzig den T i l l y aufs Haupt. Unberechenbar waren die Fol-
gen dieses großen Sieges; er verschlang 12jährige Vortheile; das Über-
gewicht der Protestanten war entschieden; der Kaiser ohne Heer. Ganz
Deutschland stand dem König offen; die meisten protestantischen Fürsten
schloffen sich ihm an. Er richtete seinen Weg nach dem Rheine, besetzte
die Pfalz, eroberte Würzburg, Ma inz , Manheim u. s. w. und
zog das folgende Jahr durch Schwaben nach Franken. In der Schlacht
am Lech fand T i l ly semen Tod; Augsburg fiel hierauf in Gustav
Adolph's Hände. Indeffen war der Churfürst von Sachsen in Böh-
men eingefallen, und machte, weil er keinen Widerstand traf, bedeu-
tende Fortschritte. Mit gewohnter Standhaftigkeit ertrug Kaiser Fer-
dinand des Schicksals Schläge; seine Heere waren vernichtet; der
Weg in das Herz der Erbländer stand den Feinden offen. Er ergriff das
letzte Mittel der Rettung.-^ W allen stein, der scheinbar Tiefgekrank-
te, übernahm erst nach einigem Zaudern die absolute Gewalt eines Ge-
neralissimus , und wie mit einem Zauberschlage hatte er wieder ein
schlagfertiges Heer versammelt. Die Sachsen mußten Böhmen räumen;
Gustav Adolph ward nach Nürnberg zurückgedrängt, und als er
versuchte den Kriegsschauplatz an die Donau zu versetzen, durch eine
rasche Wendung von Wal len stein gezwungen, ihm nach Sachsen zu
folgen. Hier kam es bey Lützen am 6. Nov. 1632 zu einer Hauptschlackt.
Der Sieg blieb unentschieden; doch Gustav Adolph büßte das Le-
ben ein. Mit ihm erloschen manche Pläne, die zum Theile schon das
protestantische Deutschland in Verlegenheit setzten. Die Gestalt der Din-
ge nahm eine andere Wendung. Ein bemerkbarer Stillstand trat ein;
Oxenstjerna, Schwedens Reichskanzler, suchte durch Tractate im
Geiste Gustav Adolph's fortzuwirken, beleidigte aber Sachsen und
andere Reichsstände. Zwar erfochten die Schweden und ihre Verbünde-
ten auch 1633 manche Vortheile; denn Wallenstein beschränkte sich
auf Schlesien, und bezog ruhig die Winterquartiere in Böhmen. Ob
er planmäßig auf diese Weise die Erbländer aussaugen wollte, ist bis
jetzt noch unentschieden; indeffen gab er oft und häufig Veranlassung
zum Verdachte. Er ward in die Acht erklärt, und am 15. Febr. 1634
in Eqer ermordet. Nun übernahm König Ferdinand von Ungarn
den Oberbefehl; aus Italien kam starke Hülfe; die Schweden waren
uneinig und getrennt. Sie verloren Regensb u r g, und durch die Schlacht
bey Nörd l ing en am 7. Sept. 1634 alles Übergewicht. Für die Kai-
serlichen war dieser Sieg um so bedeutender/, als bald hierauf Chursach-
sen den Prager Friedon schloss, und diesem anders Neichsstände sich an-
schlössen« Schweden kam dadurch bedeutend in die Enge, doch nun trat
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie