Page - 758 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe A-D, Volume 1
Image of the Page - 758 -
Text of the Page - 758 -
758 Dreißigjähriger Rrieg.
Frankreich offner auf, und der Krieg wurde fortgeseltt. Am 19. May
1635 erklärte es den Spaniern den Krieg, und deckre so den Rücken der
Schweden; nahm sich indessen auch in Deutschland ihrer thätig an, so
daß zuletzt auch französ. Heere gegen den Kaiser fochten. Endlich kam
eine vollständige Vereinigung Schwedens und Frankreichs zu Stande;
aber der Krieg wurde immer noch schläfrig betrieben. Am 22 Dec. 1636
ward aller Widersacher ungeachtet Ferdinand I I I . zum röm. König
erwählt; nach zwey Monathen starb Ferdinand I I . , demungeachtet
wurde der Krieg von allen Seiten fortgesel't, und vorerst mir abwech-
selndem Glücke. Endlich neigte sich die Schale des Übergewichts wieder
auf die Seite der Schweden. Sie erfochten unter Bann ie r manche
vortheilhafte Siege gegen Sachsen und die Kaiserlichen, drangen selbst
in Böhmen und Mahren ein, und blieben auch 1639 Meister im Felde.
Gleich glücklich focht Herzog Bernhard von Weimar in Elsasi und
Breisgau; er nahm einen Ort nach dem andern, von französ. Subsidien
unterstützt, und bahnte sich durch die Eroberung vom Breisach den
Weg zu weitaussehenden Siegen. Da raffte ihn der Tod am l8. Iuly
1639 zu Neu bürg am Rheine dahin. Frankreich brachte durch grosie
Geldsummen und vortbeilhafte Bedingungen sein Heer mit allen Erobe-
rungen an sich, und führte erst von jetzt an im eigenen Nahmen Krieg
in Deutschland. Die Sache des Kaisers schien sich indessen wieder besser
zu gestalten. P icco lomin i brachte Hülfe; Bann ie r mustte im
Februar 1640 die Erbländer verlassen, und der Krieg wurde nach Thürin-
gen gespielt. Die Fehler der kais. Feldherren aber verdarben alles wieder;
Bann ier vereinigte sich mit den Franzosen zweymahl, und bedrohte
sogar den Reichstag zu Regensburg mit Aufhebung (Iän. 1641).
Das schnell eingetretene Thauwetter, die Trennung Guebr ianr 's ,
und herbeyeilende Hülfe zwangen ihn jedoch hier, den grositen Theil
seines Heeres zu opfern, und sich nach Niedersachsen zurückzuziehen, wo
er am 20. May 1641 plötzlich starb. An seine Stelle tratTorsten-
son, und den Oberbefehl über die französ. - weimar. Armee erhielten
nach Ouebr iant 's Tode Enghien und Tu renne. Diese gaben
in Kurzem ihrer Sache einen neuen Umschwung. Besonders wirksam
und gefährlich für den Kaiser war Torstenson's weit überlegene
Geisteskraft. Er fiel in Schlesien und Mähren ein, erfocht Siege auf
Siege, trat mitRäkoczy in Unterhandlungen, schlug den Erzherzog
Leopold und die beyden P icco lomin i bey Leipz ig, und richte-
te nach der Schlacht bey Iankowih , 24. Febr. 1645, seinen Marsch
mit besonnener Raschheit auf Osterreich und Wien. Krems, S te in
:c., fielen in seine Hände, an Wien's Bestürmung hinderte ihn die
Unentschlossenheit Räkoczy's, der mit 22,000 Mann bey Preß bürg
stand. Ungeduldig kehrte er nach Mähren zurück, belagerte B r u n n ,
jedoch vergebens; und beschränkte sich darauf, mit verheerenden Streif-
zügen Osterreich in endlosem Schrecken zu erhalten. Als er vom Schau-
platze abtrat, erhielt Wrang el den Oberbefehl; unter ihm stand
Königs mark. — Am Oberrheine und in Schwaben und Franken
hatten indessen auch Tu renne und Engh ien mehrere Siege er-
rungen, doch absichtlich nicht benützr. Die Kaiserlichen und Bayern er-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe A-D, Volume 1
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe A-D
- Volume
- 1
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 788
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie