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Glasfabrtkation und Handel. 377
Glasfabrikation und Handel. Die Glasfabrikation istin dem
osterr. Kaiserstaate ein höchst wichtiger, bedeutender und schon seitIahri
Hunderten einheimischer Industriezweig. Die meisten und größten Glas-
fabriken hat Böhmen; böhmisches Glas ist das beste und wohlfeilstein
Europa und steht an Reinheit der Masse und an Kunst des Schliffes,
„ur England ausgenommen, noch immer unübertroffen da. Ungeachtet
die Zahl der Glashütten sich in neuerer Zeit vermindert hat, so werden
in den holzreichen Theilen des Landes noch immer 58 betrieben, welche
in Ansehung der Vollkommenheit keine Rückschritte gemacht haben.—Die
vorzüglichstenGlasfabriken Böhmens sind : Die gräflich Bucquo y'schen
Hütten zu Silberberg, Bonaventura, Paulina, Georgen-
thal und Iohannisthal auf der Herrschaft Oratzen; die gräflich
Harrach'sche Fabrik zu Neuwelt auf der Herrschaft Starken«
bach; die 3 fürstlich Schwarzenberg'schenHüttenzuSuchenth al,
Adolphhütte undErnstbrunn; ferner die demGrafenDesfo urs
gehörigen 2 Hütten zu Morchenstern, die gräflich K ins k y'sche zu
Ruhenburg, die Glashütte zuTassitz im Czaslauer Kreise und noch
viele andere. Besonderer Erwähnung verdienen die in der Nähe von
Hai da geschliffenen und geschnittenen Glaswaaren, welche zu den
vorzüglichsten dieser Art gehören. Sehr mannigfaltig sind die gemalten
und vergoldeten .Glasgerathe, die Lustersteine, die Glascompositionen
und unechten Edelsteine, Schmelzpellen :c. welche in Böhmen erzeugt
werden. Neuere Artikel von seltener Schönheit sind: Die Hyalithglaser
von Silbe rb erg und die Lithyalinwaaren aus Plottendorf.— In
Osterreich unter der Enns bestehen folgende bedeutende Glashüt-
ten: Die landgrafl. Fürstenb erg'schen Hütten zu Io achimsthal,
Schwarzau und Sophienwald, die freyherrl. Hackelberg'sche
zuHirschenstein, die fürstl. P alffy'schen zu Alt-und Neu-Na-
gelberg und zu Langeck, dann die dem Stifte Lil ienfeld zuge-
hörige zu Tirnitz. Die meisten österr. Hütten sind mit Glasschleifern
un) Glasschneidern versehen, und sie bestreben sich sämmtlich, durch eine
geoaue Wahl der Materialien und große Sorgfalt in der Bearbeitung
imner reineres und schöneres Glas zu erzeugen. — In Ost erreich ob
de.' Enns sind mehrere Glasfabriken, obschon nicht von großem Um-
fasge, nahmentlich die Hütten zu Sonnenwald und Schwarzen-
berg, dann jene zu W eißenb a ch, im Redl-und Frauenthale,
zu Eich bey Mondsee, zu Freistad t, endlich zuSchneegattern
uw St. Gilgen im Salzburger Kreise, die jedoch meist gemeinere
Wlaren und nur zum Theil geschliffene Hohlglaser erzeugen. — In
S eyermark sind die vorzüglichsten Glashütten zu Gairoch, L i«
bo e, Rohitsch, Osierwitz, Weitenstein, Puchenstein,
am Bachergebirge, zu E i b i s w a'l d, zuGraden in der Saloch und am
Wehsel, welche nicht allein alle Gattungen gemeiner Gläfer und Glas«
waa-cn erzeugen, sondern zum Theil auch schön geschliffene feine Gla-
ser lefern, in welcher Hinsicht sich die gräflich Attem s'sche Glasfabrik zu
Rohitsch besonders auszeichnet. — Kärnthenhat Glashütten in der
St. pauler Alpe und zu Hermagor. — In Krain besteht eine
neu erichtete Glasfabrik beyZirkni tz, nachdem die k. k. Glasfabrik zu
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie