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39« Gold. — Goldenes Vließ.
besaß ausgezeichnetes Talent fürgenaueÄhnlichkeit. G. privatisirte längere
Zeit in München und Augsbu r g, wo er sich mit Malen und Radiren
beschäftigte und starb zu Regensburg den 16.Sept. 1815. Außer obi-
gen radirten Blättern, deren über 100 sind, und welche er unter dem Ti-
tel: Versuch einer zahlreichen Folge leidenschaftlicher Entwürfe für em-
pfindsame Kunst- und Schauspielfreunde; erfunden, gezeichnet, geätzt
und mitAnmertungen beglettet,Augsb. 1784 mit Text in deutscher und fran-
zo's. Sprache herausgab, hatmannoch mehrere mit leichter feiner Nadel ge-
zeichnete Blätter, besonders Porträte, z. B. 'Pius VI., König Gu-
st.'a v von Schweden :c. von ihm.
Gold, s. unter Bergwerke.
Goldenes Vließ. Der erste und vornehmste Orden des ö'sterr.
Hauses, so wie überhaupt einer der angesehensten und ältesten weltlichen
Ritterorden, wurde 1430 von Herzog Phi l ipp dem Guten von
Burgund bey Gelegenheit seiner Vermahlung mit seiner dritten Gemah-
lin, Isa bell a von Portugal, gestiftet und die Zahl der Ritter auf
24 festgesetzt. Durch Kaiser Car l V., dessen Großsohn, kam der Orden
an Spanien und die Könige dieses Landes übten das Amt eines Großmei-
sters aus, bisKaiser Car l VI. , welcher nach Endigung des spanischen Erbfol-
gekrieges die span. (nachher österr.) Niederlande erhielt, sein Recht aus
diese Würde gegen Spanien behauptete, obschon die Könige von Spanien
noch immer'fortfuhren, den Orden auszutheilend Nach derjStiftung sollte
die eigentliche Ordensdecoracion, die aus Feuersteinen und Feuereisen ab-
wechselnd zusammengesetzteOrdens!ette,in derenMittedasgold.Vließ hing,
von den Rittern beständig getragen werden, doch erlitt diese Bestimmung
schon unter Carl V. eine Abänderung und gegenwärtig ist die Ordens-
kette ausschließend die Decoration, des Ordenschefs. Die Ritter erhalten
bloß das Ordenszeichen, das sie an einem rothseidenen, ungefähr 2 Zoll
breiten um den Hals gehenden Bande auf der Brust tragen. Es besteht
aus 3 Theilen, oben ist das sogenannte Feuereisen, in der Mitte befin-
den sich 6 aus einem Zirkel hervorgehende Flammen oder Strahlen und
unten hängt das goldene Vließ. Das Ordenszeichen, welches der span,
Hof ertheilt, unterscheidet sich durch die auf dem Rande des Feuereisens
befindliche Inschrift: ?i-etium laborum nnn vila«, und die darunter
befindliche Figur eines Ritters, der einen Drachen tö'dtet. Das Fest die-
ses Ordens wird in Wien alljährlich am ersten Sonntag nachAi'ldreas
gefeyert, wobey sich alle Ritter in der Rathsstube der kaiserl. Burg ver-
sammeln, sie tragen bey dieser Gelegenheit das Ordenskleid von carmoisinro-
themSammt, aus einem talarähnlichenUnterkleideund einem mantelartigen
Oberkleide bestehend, aufdem Kopfe tragen sie einebesonderegestickteMütze
und über die Schultern die Ordensdecoration. Das Fest selbst wird imgro«
ßen Rittersaale unter dem Vorsitze des Kaisers, welcher ebenfalls in vollem
Ornate als Chef und Souverain des Ordens gekleidet ist, gefeyert. Den 22.
May 1830 wurde das400jährige Säcularfest des Ordens in einem General-
capikel begangen, wobey der Kaiser Franz eine Stiftung für 12 Personen
des »alten Herrn« oder Ritterstandes aus dem Kaiserstaate machte, welche
durch Kriegsunfälle oder andere Art in Dürftigkeit gerathen. Der Ritter-
vrde n des O. V,es wird als höchste Hofehre nur sparsam ertheilt, gegen-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie