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lustig sind sie, aber auch lernbegierig und zum thätigen Leben geneigt,
und geben gewöhnlich gute Soldaten. Freylich gibt es auch hier Ausnah-
men. Die Beschwerden des dürftigen Gebirgslebens und das häufige
Branntweintrinken bildet in manchen Gegenden, nahmentlich auf der
Herrschaft Neumark, viele ungestaltete, krüvpelhafte, kropfige und
cretinartige Menschen. Die meisten Cretins sindet man auf der erwähn-
tenHerrschaft Neu mark, im Rabathale und in den Gebirgsthälern
des Iasloer Kreises. Die Kleidung der G. besteht bey den Männern
gewöhnlich aus einem braunen Kotzenmantel, der bis an die Knie reicht,
einem groben Hemde, langen weißen Hosen und ledernen Bundschuhen.
Ihre stark behaarte Brust sieht man immer, selbst in der größten Kälte
offen. Das weibliche Geschlecht trägt weiße, kaum bis an die Knie rei-
chende Röcke, rothe oder gelbe Stiefeln und an hohen Festtagen wohl
auch lange rothe, mit Gold« oder Silbertressen besetzte Pelze. Die Kopf-
bedeckung besteht aus einem, gleich einem Nonnensä)leyergefalteten wei-
ßen Tuche. Das in Polen einheimische eckelhafte Übel des sogenannten
Weichselzopfes ist in diesen Oebirgsländern wenig oder gar nicht anzutreffen.
Gorani , Ios. Graf v., politischer Schriftsteller von ziemlich
dämagogischer Farbe, war geboren zu Mai land 174t>. Er stammte
aus alter Familie, war von der Natur mit vortrefflichen Gaben ausge-
rüstet uno sehr wissenschaftlich gebildet, nur hatte er die Kunst nicht er«
lernt, sein leidenschaftliches und unruhiges Gemüth zu bezwingen. Nach
seinen sorgfältig vollendeten Studien trat O. mit Vol ta i re, Dide-
rot, D'Alembert u. a. in Briefwechsel und redigirte eine politische
Zeitschrift unter dem Titel I^ e <üale, welche größtentheils Raisonnements
über bürgerliche Verwaltung enthielt. Beym Ausbruche der französischen
Revolution war G. einer ihrer heftigsten Vertheidiger und gab sich ihren
Lehren und Grundsätzen mit ganzer Seele hin. Von nun an declamirte
er in seinem Club zu Mai land nichts mehr als von Volksrechten und
von Abschaffung der erblichen Gewalt, auch in seinen Schriften aus die-
ser Periode athmet ein ««gebändigter demokratischer Geist. Seine mit
großer Leidenschaftlichkeit und wenig Schonung öffentlich ausgesprochenen
Grundsätze über Freyheit und Gleichheit u. s. w. hatten seine Ausstrei-
chung aus der Liste des mailändischen Adels und die Confiscation seines
Vermögens zur Folge; bald darauf wurde er auch des Landes verwiesen.
1792 begab sich G. nach Frankreich, wo er mehrere politische Werke her-
ausgab, verließ dieses Land jedoch wieder 1794 noch vor dem Sturze
der Brissotiner, zu deren Parthey er eigentlich gehörte, und machte eine
Reise nach Marocco / von welcher er ein pünctlich geführtes Tagebuch,
jedoch in Chiffern und Abbreviaturen schrieb, die jede Copie von frem-
der Hand unmöglich macht, und bey seinem entschiedenen Widerwillen
gegen Abschreiben und Dictiren, auch unentziffert blieb. Nach seiner Rück-
kehr führte er ein wahrhaft anachoretisches Leben zu Nyon am Gen-
ferste. G.'s wichtigste, wiewohl zur Zeit seiner höchsten Aufregung ge-
schriebenen Werke sind: 1Vaile du dczpotisme, reclierclies 5ur 1»
science du ßniiv^rnement, 2Bde.— Meinn^es «eci^ tes et criti^u«
sui-Ies coul-5 cl'Itglie, 3 Bde. Paris 1798. Deutsch, 3 Thle. Frankf.
1794. In letzterem Werke findet man detaillirte und interessante Nach'
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie