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Gras. — Grasmay r . 415
b a ch und Persenbeug im Kreise Obermanyartsberg und am rechten
Donauufer zu Schönbühel unter Melk , doch ist er von vielem
Thone verunreinigt und wird deßhalb meistens bloß zu schwarzem Geschirre
verwendet. In Oberösterreich ist ein Graphitlager in der Gegend von
Kloster S ch l ä g e l. Man benutzt denselben zu mittelfeinen und groben
Bleystiften, auch wird er in Verbindung mit^Thonzu Schwarzgeschirr
und Schmelzticgeln verarbeitet. InBöhmen findet man G. bey S w o-
janow und in der Gegend des Dorfes Stuben auf der fürstl. Schwär-
lenbe rg'schen Herrschaft K ru m m a u. Diese Sorte ist, was das Mate-
rial betrifft, die beste im öfterr. Staate. Schon seit langer Zeit wurden
von dem böhmischen G. jährlich bey 600 Centner über Passau nach
Frankfurt a. M. verschickt. Seit 1810 wird derselbe auch in der
Hardtmuth'fchen Steingut- und Graphitstiften-Fabrik zu Wien
und in mehreren andern Bleystiftfabriken verwendet. Ungeachtet der eng-
lische Graphit zu Bleystiften viel vorzüglicher ist, so können doch auch
aus dem böhmischen sehr gute Stifte verfertiget werden, und es ist be-
kannt, daß die Wiener Bleystifte nach den englischen die besten in Eu-
ropa sind. Vergl. Bley stifte.
Gras, Caspar, geschickter Bildhauer, war geboren zu Me r-
gen th ei min Franken um 1560. Seine erste Kunstbildung erhielt er
in seinem Vaterlande, er zeigte bald ausgezeichnetes Talent und wurde
um I6(!O von Erzherzog Maximi l ian, dem Deutschmeister, an dessen
Hofnach Innsbruck gezogen, wo er viele Kunstwerke verfertigte, und
in einem Alter von 90 Jahren zu Schwa tz starb, und Nachkommen hinter-
ließ, die in der Folge geadelt wurden und das Prädicat von Grasegg
erhielten. Seine berühmtesten Arbeiten sind : Die am Rennplatze zu In n s-
bruck befindliche Statue des Erzherzogs Leopold zu Pferde, dann die da-
selbst und im Hofgarten befindlichen 3 Statuen, in Lebensgröße, Meer-
gotter, Göttinnen und Genien vorstellend; das in der Pfarrkirche zu
Innsbruck befindliche, aus Erz verfertigte prachtvolle Grabmahl des
Erzherzogs Maximi l ian, dann ein vortreffliches Brustbild des Erz-
herzogs Ferdinand von Tyrolund ein anderes, etwas über einen Schuh
hohes Stück, welches den Hercules als Besieger des Anteus mit
vollkommen richtiger Musculatur vorstellt. Endlich befinden sich noch manche
kleinere Stücke von diesem Künstler in den Händen von Privatpersonen.
Grasmayr, Ioh. Georg Dan., geb. 1690 zu Brixen,
eines Glockengießers Sohn. Er lernte die Malerey bey Io s. Albert !
inFleims, von dem er das Brandige in der Camation immer beybe-
hielt ; dann übte ev sich zu Vene d i g und Rom bey Carl Loth und
Tr ev isa n i und hielt sich 7 Jahre lang in Italien auf. Sodann reiste
er in Deutschland und Lothringen herum, schlug das ihm angetragene
Bürgerrecht zuStraßburg aus, hielt sich einige Zeit zu Mannheim
als Hofmaler auf, malte die Für stenberg'sche Residenz zu Don au-
e sch i ng e n, und kam endlich nach Tyrol zurück, wo er sich zu Wi l tau
1724 niederließ, und daselbst 1751 im 61. Jahre seines Alters starb.—
Von den Gemälden seiner Hand sind zu Innsbruck b e sonders sehen s wür-
dig: In der Pfarrkirche das Maria- Himmelfahrt-Altarblatt, jenes des
h. Sebastian und ein anderes des h. Johann von Nepomuk. I«
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie