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434 G r ü n , A n a st.
der entdeckt ward. Seit dieser Zeit werden, da schon die neue Fürsten-
gruft bey den Kapuzinern erbaut war, nur die Eingeweide aller verstor-
benen Mitglieder des kaiserl. Hauses in lupfernen Urnen hieraufbewahrt.
1754 ließ dieKaiserinnMaria Theresia diese Gruft bis zum Ende der
Kirche erweitern und die Gebeine ihrer Vorfahren in eichene Sarge, wel-
che kupferne umschließen, übersetzen; auch die Gebeine Friedrich's des
Schonen sammt jener seiner Tochter Elisabeth wurden 1783 aus dessen
selbstgewä'hlten Ruhestatte, in der von ihm gestifteten Carchause zu
Mauerbach, nach Aufhebung derselben in diese Gruft übertragen
Die alte Gruft hat die Form eines länglichen Viereckes, die neue er-
weiterte, welche mit schöner Stuckaturarbeit verziert ist, und wovon die
Fenster außerhalb unter dem Brustbilde des Erlösers zu sehen sind, die
eines Ovales. Man gelangt in dieselbe auf 14 Stufen durch den Ein-
gang von außen, neben derKanzel des heil. Capistrans. — Die kaiserl. Fa-
miliengruft bey den Kapuzinern auf dem neuen Markte wurde nebst
deren Kloster und Kirche von Kaiser Ferdinand I I . durch eine fromme
Stiftung der Kaiserinn Anna und des Kaisers Mathias, deren Gemahl,
1622 gegründet. Mit dem Jahre 1632 standen Kloster, Kirche und Gruft
in ihrer ursprünglichen Einfachheit da und 1633 nachdem Osterfeste wur-
den die Leichname der hohen Gründer aus dem Königslloster feyerlich
Hieher übertragen. Die alte Gruft ist ein langes düsteres Gewölbe,
worin ein Gang mitten durch die, rechts und links stehenden, oft sehr
kostbaren Särge führt, die von eisernen Gittern umschlossen sind. Mit
Ausnahme Kaisers Ferdinand I I . , welcher nach seiner letzten Anord»
nung, an der Seite seiner ersten Gemahlinn M aria, in Gratzzu ruhen
begehrte, sind hier alle Glieder des Hauses Habsburg von Kaiser Ma-
th i a s bis C a r l VI , beygesetzt. 1745 ließ die Kaiserinn MariaThere-
si a diese Gruft durch einen neuen Zubau erweitern und bestimmte den-
selben für den Habsburgisch-Lothringischen Fürstenstamm. Das große ge-
meinschaftliche Grabmahl der Kaiserinn Mar ia Theresia und ihres
Gemahls ist ein vorzügliches Prachtwerk, seit Kaiser Joseph I I . wurde
jedoch jeder neue äußere Sarg bloß von Kupfer und einfach gearbeitet. Der
innere ist von Holz, für die regierenden Kaiser und deren Gemahlinnen
mit schwarzem Sammt und Goldstoff, für die Erzherzoge und Erzherzo-
ginnen mit rothem Sammt und Silber überzogen, und mit in Feuer
vergoldeten Beschlägen versehen. In der alten Gruft befindet sich auch
das Grabmahl der Gräfinn Caroline von Fuchs; sie war Erzieherinn
der Kaiserinn Maria Theresia und die erhabene Frau widmete ihr
aus Dantbarkeit diesen höchst ehrenvollen Ruheplatz. Am 2. Nov. jeden
Jahres als am Allerseelentage ist die Gruft für jedermann geöffnet, doch
wird die Besichtigung derselben sehr leicht auch außer dieser Zeit gestattet.
Grün, AnastaslUS, pseudonymer Nahme Ant. Alexander's
Grafen von Auersperg, geboren zu Laib ach den I I . Apr. 1806. Er
privatisirt auf seiner Besitzung Th u rn am Hart in Kram; ein echter
Dichter, uoll Beruf, Innigkeit, Phantasie und Originalität, dabey
sehr wissenschaftlich gebildet. Zeugniß davon sind: Blätter der Liebe,
Stuttg. 1830.— Der letzte Ritter (Max I. ein Heldengedicht), Münch.
»831, welches in Deutschland rühmliches Aufsehen macht. In der Wie-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie