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440 Günther . — Guldener .
der hinausgedrängt. Schon waren mehr als die Halste der tapferen Ver,
theidiger gefallen, doch war jede Aufforderung, so wie jeder erneuert«
Angriff vergeblich ; der Sultan wurde es endlich selbst müde, um so mehr,
da er erfuhr, daß Andreas Dor ia , Admiral Carl's V., mit einer
stark bemannten Flotte Morea bedrohe, er beschloß den Rückzug; um
jedoch einigen Schein von Ehre zu behaupten, ließ er sich mit Iures-
si ch in Unterhandlungen ein, der nach langemZ!>gern endlich bewilligte,
daß 10 Ianitscharen in die Stadt kommen und eine türkische Fahne auf
die Mauer pflanzen, sodann aber sogleich abziehen sollten. Un ter dem
Thore empsing Iuressich dielt) Ianitscharen, trank ihnen wacker zu,
nahm ihnen die Fahne ab und ließ dieselbe durch seine eigenen, als Türken
verkleideten Leute unter lautem Allahrufe aufstecken. Den 23. Aug. trat
de»: Sultan, befriedigt durch dieses Gaukelspiel, den Rückzug an, die
Fahne aber ward noch lange in der Pfarrkirche zu G. aufbewahrt.
Günther, Ant. , Weltpriester in Wien, merkwürdiger philoso-
phischer Schriftsteller, ist geboren den 17. Nov. 1783 zu Linden au im
Leitmeritzer Kreise Böhmens. Sein Vater, ein nicht unbe-nictelter Pro-
fessionist, ließ ihm eine sorgfältige Erziehung angedeihen und schickte ihn
sodann auf das Gymnasium zu L eitme.ritz, wo G. die Gymnasialsw-
dien mit vieler Auszeichnung zurücklegte; darauf studirte er Philosophie
und die Rechte an der Universität zu Prag. 1811 kam G. nach Wien
und wurde alsErzieher im fürstl. Bre tze nh eim'schen Hause angestellt;
1821 ließ er sich nach absoloirter Theologie zum Priester weihen undpri-
vatisirt seit dieser Zeit in Wien. Als Schriftsteller im Fache der philoso-
phischen Theologie hat O. mit Recht ausgebreiteten Ruhm erworben. Als
Beweise der Anerkennung des Auslandes erhielt er 1332 einen (jedoch
nicht angenommenen) Ruf als Professor derDogmatik an die Universität
zu Bonn und gleichseitig als Professor der Moral an jene zu Mün.
chen, deren theologische Facultär ihm zugleich das Doctorsdiplom über-
sandte. G.'s bi > jetzt im Drucke erschienenen vortrefflichen Schriften sind:
Vorschule zur speculativen Theologie, I.THl.: Creationstheorie, Wien
1828; 2. Thl.: Incarnationstheorie, eb. 1829. — Peregrin's Gast-
mahl, eb. 183l). — Süd- und Nordlichter am Horizonte speculatioer
Theologie, eb. 1832. — Ianuskö'pfe. Zur Philosophie und Theologie.
(Gemeinschaftlich mit Dr. I. H. Pabst.) eb. 1834. — Der letzte Sym-
boliker, eb. 1834. Außerdem lieferte er mehrere Abhandlungen, Recen-
sionen und andere Aufsätze in die Wiener Jahrbücher der Literatur, in
die katholische Kirchenzeitung von Ke rz und B e s n a r d und end-
lich in die zuBonn erscheinende philosophisch-theologische Zeitschrift.
Gula. So wird in Ungarn eine Viehheerde genannt, welche im
Sommer über Tag und Nacht im Freyen bleibt. Da deren Hirten mei-
stens von mit Zwiebeln, Salz und Kümmel bereitetem Fleische leben,
so nennt man das beliebte auf ähnliche Art in den Küchen zubereitete
Rindfleisch auch Oulasfleisch (Hirtenfleisch).
Guldener von Lobes, vinc. Eduard, k. l. niederösterr.
Regierungsrath, Doctor der Medicin, geboren zu Pi lsen, war län-
gere Zeit practischer Arzt in Prag. Er kam 18N2 nach Wien , ward
1314 Protomedicus und starb daselbst den 30. März 1827. Er schriebau-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie