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studirte und in diesem Studium so gute Fortschritte machte, daß sich
der König von Neapel von ihm zwölf große Concertserenaden com-
poniren ließ, bey deren Aufführung er auch in eigener Person die or-
ganisirte Leyer spielte. Von da reiste G. über Mai land nach Paris
und nachdem er in dieser Stadt einigeZeit verweilte, nach London.
Hier blieb er durch 3 volle Jahre, seiner mannigfachen Talente wegen
allgemeine Achtung genießend. Er schrieb auch daselbst nebst mehreren
Cantaten und andern Musikstücken eine große Oper: I^ a äernii-amicle,
welche damahls mit ungetheiltem Beyfall aufgenommen wurde. Da er
indessen bald einsah, daß ihm das Clima Englands in die Lange nicht zu-
sagen werde, so schiffte er sich zu Dover nach Ostende ein und ging
von da über Brüssel, Lüttich und Wesel nach Ber l in u»d
Dresden , von da begab er sich sofort über Prag nach Wien, woer
den I I . März 1793 ankam. Auf seinen Reisen hatte sich G. die vollkom-
mene Kenntniß der italienischen, französischen und englischen Sprache
nebst mehreren nützlichen wissenschaftlichen Kenntnissen erworben und er-
hielt deßhalb bald eine Anstellung als Legationssecretar bey der kaiserl.
Gesandtschaft in München. In dieser Eigenschaft brachte er in Mün-
chen, Schwetzingen, M ann heim und Heidelb erg einigeZeit
zu. Nach Auflösung dieser Gesandtschaft lehrte er nach Wien zurück und
widmete sich ganz dem Fache der Composition, in welchem er Vieles und
Rühmliches geleistet hat. 1804 wurde ihm die Stelle eines Capellmei-
sters der beyden k. k. Hoftheater zu Theil, welche er bis 182? auf das
lobenswerthesie bekleidete. Seine vorzüglichsten Compositionen sind:^.)
Große deutsche Opern: Selico, in 2 Acten; — Agnes Sorel,
in 3 Aufzügen; eine durch Lieblichkeit, Einfachheit und Characteristik
gleich ausgezeichnete Musik; —Ida, die Büßende, in 5Acten; — Helene, in.
3 Acten ; — Die Prüfung, in 2 Acren; — Der Augenarzt in 2 Acten, wohl
seine vorzüglichste Operncomposition; — Selinde, in 2 Acten; —Hans
Sachs,in 2 Acten. — L ) I t a lie nisch e O pern: Zemii-amide, comp.
in London;— ^edei-iza e ^,<^nllu;—^6^1«, comp. in Wien und I!
lintu 8t«ni5!aa, comp. in Mai land für das Theater ulla 8ca1a.—
lü. Kleinere Opern: Die Pagen des Herzogs von Vendome, spater
zur Balletmusikverwendet.—Der betrogene Betrüger.—Das zugemauer-
te Fenster. — Der Sammtrock.—DieIunggesellenwirthschaft. — Alad-
din oder das Nothwendige. — Das Winterquartier in Amerika. — Das
Stündchen. — Der dreyzehnte Mantel. — I^al^inme en cnlere. -^
Der blinde Harfner lc. — Miriua, ein Melodram von Holbein. D) Bal-
letmusik. In Allem erschienen 47 Ballete, deren Musik von G. theils
ganz neu componirt, theils neu arrangirt wurde. Auch componirte G.
mehrere Ouvertüren, so z. B. zur Oper Selico, zur Semiramis :c. und
ein characteristisches Tongemalde: Vermahlungsfeyer des Kaisers von
Österreich Franz I. 1808. In der Kirchenmusik zeichnete sich G. vor-
züglich durch 12 Messen, ein ^e veum i2udamu5,Offertorien :c. aus,
welche an großen Festtagen in verschiedenen Kirchen sehr oft und mit Bey-
fall aufgeführt werden. Außerdem componirte G. noch mehrere vierstim-
mige Chöre für den Wiener Musikverein, welche bey deren Auffüh»
rung jedes Mahl auf allgemeines Verlangen wiederhohlt werden
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie