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Haager von Alensteig, das Geschlecht. 455
Welt in Flammen. Sieg mund H. diente zuerst in Österreich, den
Prüschenk, welche großentheils Nahmen und Wapen, Land und
Leute der alten Grafen von Ha r deck, Burggrafen zu Magdeburg
erlangt, darauf den mächtigen böhmischen Dynasten von Schwam-
berg. Aus Böhmen zog er nach Sachsen zum Grafen Günther von
Schwarzburg, der zu guter Vorbedeutung den Nahmen seines ritter-
lichen Ahnherrn führte, des Gegenkönigs wider Carl l V , der sich tod-
krank und an allen Gliedern gelähmt, noch als Kaiser umhertragen ließ.
Unter den Helden Carl's V. hatte Siegmunden H. vorzüglich auge-
zogen der Ruf Wilhelm's von Oranien, der vonKindheitanCarl's
Liebling, der gefährlichste Feind seines ihm so unähnlichen Sohnes Phi-
lipp I I . wurde. Er hatte zuerst unter dem Herzog von Alba gegen
dieinsurgirten Niederlande und gegen Oranie n gefochten, dann aber
stritt er unter Oranien wider A l b a's Nachfolger, Requesen^, Don
Juan von Osterreich und Alexander Farnese,PrinzvonParma.
Als Oranien endlich doch der Dolch des Meuchelmörders Gerard ge-
troffen hatte, nachdem ihn ein Manifest des Königs von Spanien für
vogelfrey erklart, ging H. nach England, wo eben das Haupt Ma-
rien sStuar t auf dem Blutgerüste gefallen war, diente,wieHa nn s
Traun, auch zu Schiffe und focht mic inHo ward's glücklichem Wag-
niß auf Cadir. Darauf ging er in die nordischen Königreiche, wo in
Schweden König Sieg mund von Polen des Thrones entsetzt und
Carl von Südermannland König ward. Ungern genug wurde H. in
Siegmund's Niederlage und Flucht bey Stangebrov mit ver-
wickelt, 1598, mißfiel sich gar sehr in dcm zerrissenen Polen und lehrte
durch Schlesien und Mähren wieder in seine österreichische Heimath zu-
rück. Seit 7 Jahren hatte er zu Hause für todt gegolten. Äugenzeugen
hatteu es dargethan, daß sie ihn uuter den Schwertern der Schweden
fallen gesehen. Frau und Kinder hatten Trauer um ihn getragen und nun
kam H. wieder auf einmahl nach Wien und nach Alensteig, nahm
Dienste unter den Cürassieren. Sein Gönner Adolph Schwarzen-
berg, der Wiedereroberer R aa b's, übergab ihm gar bald ein Fahnlein,
nachdem er auf eigene Kosten 6l) Knechte zur Burghuth und Besatzung nach
R a'a b geworben und gestellt — und nun stritt er wieder jugendlich kraf-
tig und unverzagt wider die Türken, bald an der Dräu, bald an der
Waag, bald an den Karpathen, — Er brachte es wieder bis zum Com-
mandanten von Ka schau und Oberfeldherrn in Ungarn, bis auf 3
Fraue» und 21 Kinder. So treuer Krieger seines Kaisers er sich bewähr-
re, war er dennoch Deputirtcr des (^nl-pai-iz I^vangelicorum im Lande
ob der Enns, eine Haupttriebfeder der Conföderation der protestantischen
Stände zu Horn und verblich 85jäyrig, 1610, inmitten der traurigen
Händel zwischen Rudolpy und Mathias, als viele ihn schon für ein
Seitenstück des ewigen Juden hielten und halb im Ernste zweifelten, ob den
der uralte Sieg mund H.wirtlich sterben würde? Sein Erstgeborner aber,
Sebastian Günther, Herr zu Alensteig und Wetzdorf, Hof-
lriegsrath und Platzoberster in Wien, einer der heftigsten Gegner F e r-
dinano's l l . , wurde, nachdem er zum Feind übergegangen und mit
den Waffen in der Hand gefangen worden, im kaiserl. Feldlager am lin-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie