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Col l in, und war der erste nach Daun, welcher 1758 mit dem Groß-
kreuz des M. Theresien-Ordens geschmückt wurde, zugleich erhielt er
auch das Patent als General der Cavallerie und das Commando der
österreichischen, ungarischem undderReichs-Armeein Sachsen, wo er den
Prinzen Heinrich/ Bruder des Königs von Preußen, bey Freyburg
besiegte, und die Festung Sonnen stein eroberte. Nach beendigtem
Kriege wurde H. Obercommandirender zu Ofen, und erhielt zur Be-
lohnung seiner vielen Verdienste die Herrschaften Futak und Czerno-
vicz in Ungarn, zugleich wurde er in den ungarischen Grafenstand er-
hoben, und bald darauf auch zum deutschen Reichsgrafen ernannt. Nach
der ersten Theilung Polens erhielt er die Stelle eines königl. Com-
mifsärs in Oalizien, und zugleich das Generalcommando in Siebenbür-
gen; er verwaltete diese hohen Ämter mit so vieler Umsicht und Milde,
daß er 1772 zum Feldinarschall ernannt wurde, und ihm bey seinem
Abschiede aus Galizien die Einwohner ein Monument errichteten. 1774
erlangte H. die Würde eines Präsidenten des Hofkriegsrathes; 1789
wurde ihm der Oberbefehl der osterr. Armee gegen die Türken übertra-
gen, er gab denselben jedoch bald einerVerwundung wegen, die den be-
reits 78jährigen Greis unfähig machte, die Anstrengungen des Krieges
in die Länge zu ertragen, an den berühmten Helden Loudon ab, und
zog sich auf sein Out Futak zurück. 1799 kam H. nach Wien, wo
Kaiser Joseph kurz vor seinem Hinscheiden sich mit ihm bey verschlosse-
nen Thüren besprach, und ihm das letzte Lebewohl an die Armee auf-
trug. H. überlebte den Kaiser nicht lange, er starb den 12. März 1790.
Haen, Anton de, geboren den 8. Dec. 1703 zu Leyden,
studirte die Arzneykunde unter Boerhave, der ihn sehr liebte, uud
viel zu seiner spätern Berühmtheit beygetragen hat. 29 Jahre lang war
er praktischer Arzt im Haag bey dem größten Zulauf, bis er 1754 auf
Boerhave's frühere Empfehlungen und durch vanSwieten's Be-
trieb als erster Professor der Medicin nach Wien berufen wurde. Was
er im Haag a'.s praktischer Arzt gewesen war, zeigte er hier auf dem .
Catheder sowohl, wie auch am Krankenbette, seine früher gesammelten
Erfahrungen machte er uneigennützig der sehr großen Zahl seiner Schü-
ler bekannt, un) sein Scharfsinn, so wie seines Nachfolgers S to l l
praktische Gewandtheit brachten es schnell dahin, daß die Wiener medi-
cinische Schule die erste in Europa wurde. Nach van Sw i eten's Tode
(1772) wurde H. erster Leibarzt der Kaiserinn Mar ia Theresia, was
er aber nur kurze Zeit bis zu seinem bald erfolgten Tode den 5. Sept.
1776 war. Auch auf diesem hohen und deßhalb schwierigen Posten vergaß
er nicht fortzuwirken für die Anstalt, die unter ihm begonnen und nun
von Sto l l fortgesetzt wurde. Da er allen Förmlichkeiten, Comolimen-
ten und Kriechereyen, die so leicht die Welt bestechen, Feind war, so
verdankt ec seinen großen Ruf einzig und allein seiner Gelehrsamkeit,
Freymüthigkeit und seinem praktischen Tacte, dabey war er ein abgesag-
ter Feind aller Neuerungen und hitziger Bestreiter derselben, deßhalb
sind seine meisten Schriften Streitschriften. In seinen letzten Lebens-
jahren wurde er noch Anhanger der Magic. — Als Schriftsteller leistete
erfolgendes: llist. inardi mir! lacurabiliz. Haag, 1744; scheint seine
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie