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472 , Häusel. — Hafner.
von den indischen Volksstammen, seines leutseligen und verständigen
Benehmens, so >vie seiner ärztlichen und musikalischen Kenntnisse we-
gen geschätzt, und übenill freundlich aufgenonimen. Auf Befehl des
Vicekönigs von Peru ging er endlich als Regierungsbeamter zu der
indischen Völkerschaft der Chirigncüios, und ward 3 Jahre lang ihr Ge-
setzgeber und Gouverneur. Nach Beendigung seines Auftrages lebte H.
auf sciuem Lcindgute Buracaxey in der Provinz Cochabamba in phi-
losophischer Ruhe, cncfernt von den Stürmen, die viele Jahre lang
Europa verwüsteten. Aber die schöne Zeit des Friedens war auch für
Amerika vergangen, und 1810 brach allenthalben im spanischen Amerika
der Aufruhr gegen die spanische Regierung aus. Die letzten Briefe H.'s
vom Jahre 1811 berichteten seine Besorgnis;, die reichen Sammlungen
und Handschriften durch den Bürgerkrieg bald vernichtet zu sehen.—-Bis
1817 erhielt man keine weiteren Nachrichten von H.'s Leben undSchicksa-
len, endlich enthielten öffentliche Blätter und Privatnachrichten, daß er
in diesem Jahre gestorben sey, und seine sämmtlichen Handschriften und
Naturalienschätze, auf Befthl der Regierung in Peru, nach Lima ge-
bracht wurden. Seicdem hat man keine Nachricht, was aus dessen reich«
haltigem Nachlasse geworden ist; wahrscheinlich ward er in den Revolu-
tionsstürmen, welche Peru so vielfach bewegt haben, von unvernünfti-
gen Menschen vernichtet. Von H.'s früheren Sendungen seltener Pflanzen
sind mehrere in Spanien für die Regierung geblieben, die für sich selbst
gemachten Sendungen aber nur zum Theil bey seinen Freunden in Böh-
men und größtentheils in einem sehr verdorbenen Zustande spät ange-
kommen , und befinden sich jetzt im böhmischen Museum zu Prag.
H.'s Andenken ward von dem böhmischen Museum auf das edelste da-
durch gewürdigt, daß selbes nachstehendes Werk herausgab: ^«liaui
Haenlceanae, seudescriptionez eticonesplantaruin, n,uae i
i-ica inericl. et kni-, in inzulig ?lnlipp,'nis et Marianis
I'nadd. Haenlce. Prag. 3 Fascikel mit Kupf. 1825—29.
Hansel, Peter, Compositeur, Virtuose auf der Violine und
tüchtiger Lehrmeister auf diesem Instrumente, war geboren 1771. Erwar
ein Schüler Ios. Hayd n's und trug auch dessen Quartetten tresslich vor.
Er wurde Cavellmeister des Fürsten Lubomirski, von welchem Hause
er seit 1796 einen lebenslänglichen Iahrgehalt bezog. Es sind 18 Duet-
ten, einige Trios, 53 Quartetten, 4 Quintetten und mehrere Polo»
naistn und Variationen für die Violine von ihm erschienen. Er starb zu
Wien den 18. Sept. 1831.
Hafner, Phil ipp, Beysitzer bey dem Wiener Criminalqerichte, ein
feiner Zeit sehr beliebter Lusispieldichter, war geboren zu Wien 1731.
Sein Vater/ Nollist, eine Art von Amtsdiener in derReichskanzley, ließ
ihn bey den Jesuiten die Humanioren studiren, er absolvirte darauf auch
die juridischen Studien und wurde dann bey dem Wiener Criminalgerichtt/
damahls Stadtgericht genannt, angestellt. Sein originelles Genie zum
Komischen, sein leidenschaftlicher Huug zur dramatischen Dichtkunst
und wohl auch die Neigung zu einer weniger gebundenen Lebensweise,
machten ihn indessen bald seiner Amtsgeschäfte überdrüssig. Um eben die-
se Zeit begann das Morgenlicht über die vaterländische Bühne zu däm«
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie