Page - 474 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe E-H, Volume 2
Image of the Page - 474 -
Text of the Page - 474 -
Hagel», Chadd. v- ^ Hagek v. Liboczan, Wenzel.
beitllng unter dem Titel: Das lustige Beylager, betanm) in sich schließt
und gleichsam einen zusammenhängenden Prolog und Epilog zu letzterem
bildet. Eine vortreffliche Leistung iu sehr ergötzlichen Carricaturen. Höchst
originell ist der Gedanke, das Lustspiel mit dem Tod/alle der Braut
und dennoch auf die lustigste Weise zu schließen. — Neue Burleske betitelt:
Etwas zum Lachen im Fasching :c. eine höchst outrine, jedoch sehr ergötzliche
Farce, wurde ebenfalls durch Perinet, unter dem Titel: Lustig Lebendig
bearbeitet.— Die bürgerliche Dame, oder die bezähmten Ausschweifungen
eines zügellosen Eheweibes. Lustspiel in 3 Abhandlungen, das geregelt-
ste seiner Stücke, mit einigen gutgezeichneten Charakteren, jedoch durch
breite Dialogs und moralischeAbhauolungen eNvas langweilig.—Evakathel
und Schnudi, ein lustiges Trauerspiel, welches H. für ein Liebhaber-
theater schrieb, und Per in et in der Folge, nicht unglücklich bearbei-
tet, auf die Bühne brachte, >vo es noch in neuerer Zeit mir Beyfall ge-
sehen wird. Außerdem erschien von H. noch: Scherz und Ernst in Liedern,
2. Thse. Wien 1773 im Druck?.
Hagek, Thad9. v., ein berühmter Arzt und Mathematiker, in
Prag 1525 geboren, reiste einige Kreise von Böhmen durch, nahm sie
mit vcelem Fleiße auf, und entwarf eine förmliche Charte von selben,
die man aber nicht zu sehr geachtet haben mag, weil H.'s Arbeit ohne
Wirkung im Dunkeln geblieben ist. Er starb am 1. Sept. 1600. Man
kennt sonst von ihm: I)e cei-evisia, eius^ne conliciendi ,-at. nawi-z
et lacult, Franks, a. M. 1585.
Hagek v. Liboczan, Wenzel, ist aus einem adeligen Ge-
schlechte entsprossen; es ist aber ungewiß, ob der Beynahme von Li-
boczan seiner Familie eigen war, oder von seinem Geburtsorte in
Böhmen herrühre. Bald nach seinem Eintritte in den geistlichen Stand
wurde ihm zu Tet in, einem Städtchen, die Seelsorge anvertraut;
hierauf berief matt ihn nach Prag , wo er in der Kirche des heil. Tho-
mas auf der Kleinseite das Predigtamt übernahm, dem er bey seiner
Beredsamkeit in der böhmischen Sprache mit nicht geringem Beyfall
vorstand. In den Erholungsstunden, die ihm seine Berufsgeschäfte
übrig ließen, lag er dem Studium der vaterländischen Geschichte ob. Er
machte darin bald so große Fortschritte, daß er sich durch seine Freunde
überreden ließ, eine vollkommene Geschichte Böhmens aus ächten Quel-
len zu schreiben, dadurch aber zugleich dem Mar t in Cuthenus,
einem der katholischen Religion sehr abgeneigten Gelehrten jener Zeiten,
zuvorzukommen, der im Begriffe war, eine Geschichte von Böhmen
auszufertigen, die, wie man nicht ohne Grund vermuthen konnte, bey
der Erzählung der Kirchengeschichte und der Unruhen der Hufsiten nicht
allzu aufrichtig seyn würde. In dieser Absicht förderten seine Gönner
sein Unternehmen auf alle mögliche Weise, standen ihm mit Rath, Zu-
thun und Gelde bey, verhalfen ihm zu einem beträchtlichen Vorrath von
Büchern und Handschriften, und verschafften ihm endlich mit Erlaubniß
der Stande des Königreichs, den freyen Zutritt zur königlichen Landta-
fel. — Mit diesen Hülfsmitteln ausgerüstet, begann er im Jahre 1534
seine Arbeit, zu einem nicht geringen Glücke für die böhmische Geschichte,
i,»«dem wenigs Jahre darauf durch eine auf dein Prager Schlosse i«u-
474
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie