Page - 475 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe E-H, Volume 2
Image of the Page - 475 -
Text of the Page - 475 -
Hagck v. Liboczan, Wenzel. 475
standene Feuersbrunst, die meisten und wichtigsten Urkunden der königl.
Landtafel verbrannten, und dadurch stiuen Nachfolgern alle Hoffnung
benommen wucde, jemahls ein dergleichen Wert auszuführen. Endlich
erschienen im Jahre 1539 die ^,»al^w desCuthenu s. H. sah, daß sie
bloß ein Auszug der Geschichte seines Vaterlandes wären, und wurde
dadurch »ur noch mehr angefeuert, sein angefangenes Werk fortzusetzen,
so daß er endlich im folgenden Jahre seine böhmische Chronik zu Stande
brachte. Leider suchte man die Frucht der Arbeiten H.'s gleich in ihrem
Entstehen durch mancherley Kunstgriffe zu ersticken. Man gab vor, daß
er gewisse Leure auf eine ungeziemende Art in seinem Werke verleumdet,
daß er den Ruhm seiner Nation außer Augeu gesetzt, und verschiedene
Dinge gesagt habe, die sie bey Ausländern verächtlich machen würden.
Dazu kam noch, daß bey der Feuersbrunst im Jahre 1541 ein großer
Theil des Vorrathes seines, in diesem Jahre zu Prag gedruckten,
und mit vielen Holzschnitten gezierten, Werkes zu Grunde ging,
und seine Feinde nun auch den Drucker seines Buches dahin zu bele-
gen suchten, die übrigen Abdrücke zu vertilgen, oder wenigstens dem
Verfasser vorzuenthalten. Dieses zwang H. sich in einen Rechtshandel
einzulassen, den er durch mehrere Jahre wider seine Gegner fortführen
mußte, bis er, auf Zuthun einiger Stande des Reichs, durch einen öf-
fentlichen Landtagsschluß von den Chicanen seiner Widersacher befreyl,
und für künftig sichergestellt wurde. Nun trachtete er bey seinem her?
annähenden Alter in das Domcapitel zu A l tbunz lau aufgenommen
zu werden; allein auch hier fanden seine Feinde Mittel, ihm im Wege
zu stehen, und bewirkten durch ihre Ränke, daß er dreymahl abgewiesen
wurde. Endlich wurde er 1547 zum Domherrn, und, nachdem er
so viele Zeugnisse von seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit abgelegt
hatte, zum Dechant, hierauf aber zum Propst in A l tbunz lau er-
wählt. Er starb den 19. März 1553, und hinterließ sein Vermögen den
Klosterfrauen aus dem Dominikaner-Orden zu P r a g , in deren Kir-
che sein Grabmahl zu sehen ist. — H. hinterließ mehrere gelehrte Aus-
arheitungen, worunter seine böhmische Chronik (Prag 1541, mit dem-
selben Datum später von Schönfeld neu aufgelegt) den ersten Platz
einnimmt, ein sehr mühsames Werk, durch welches er sich den Ehrennah-
men des böhmisch en Lio ius verdiente, obwoylerauch darin dem rö-
mischen L iv ius gleichkam, daß er bey Erzählung des Ursprunges seiner
Nation und der Thaten der ersten Herzoge, mchrere fabelhafte Dinge,
ohne sie zu prüfen, eingestreut und dadurch die Glaubwürdigkeit seiner
Geschichte sehr verdächtig gemacht hat. Was man aber auch immer von
diesen uralten Mährchen halten wil l , die nach dem Zeugnisse des Cos-
mas, dessen Geschichte H. folgte, aber an einigen Stellen mit falschen
Zusätzen vermehrte, aus der fabelhaften Sage der Alten entstanden
sind, so ist es doch gewiß, daß die H.'sche Chronik in spateren Zei-
ten, besonders was das Zeitalter, in dem er lebte, betrifft, gegründe-
tes Zutrauen verdient. Die böhmische Schreibart H.'s ist rein, körn
.
jno fließend; seine Ausdrücke siud richtig und gewählt. Eine deutsche
Übersetzung seiner böhmischen Chronik veranstaltete I o h . Sande l ,
Stadtschreiberzu Kaaden, Prag 1596; erschienauch: Nürnb.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie