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Haller. — Hallstadter-See. 483
Haller, Ioh. Nep., zu Innsbruck 1792 geboren. Erlernte
bey Renn zu Imst die Bildhauerkunst, begab sich sodann nach Mün-
chen, wo er sich so auszeichnete, daß eine von ihm verfertigte Statue,
eiuen Fechter vorstellend, unter die Antiken aufgestellt wurde. 181? ver-
fertigte er für die Akademie in Münch en die colossaleStatuedesP hi-
loktet, wie er am Natterbisse leidet, in Gyps, welche sich nun im
Museum zü Inns bru ck befindet. Er wurde 1818 vom Kronprinzen,
jetzigen König Ludwig vou Bayern, nach Rom mit besondern Kunst«
auftrügen geschickt. Er starb als pens. Hofbildhauer in München den
23. Iuly 1826.
Haller, Ladisl. Graf v., königl. Rath und Obergespan des
Marmaroser Comitates in Ungarn, ausgezeichneter Staatsmann und
Literator, war 1717 in Siebenbürgen geboren. Obige Würde erhielt er
bald nach Vollendung seiner Studien und widmete seine Muße der Aus-
bildung und Verbreitung der magyarischen Sprache durch sehr gelungene
poetische Arbeite» und Übersetzungen. Cr starb 1751 , da er den
Ruf zur Sevtemviraltafel erhalten hatte. Mehrere seiner schriftstellerischen
Arbeiten, unter andern eine noch nicht vollendete Übersetzung vonOvid's
Metamorphosen ging nach H.'s Tode verloren. Die sehr gelungene Über-
setzung des Telemach in ungar. Sprache erschien jedoch unter dem Titel:
Die Begebenheiten derIrrfahrten Telemachs :c. Kaschau1755 als nachge-
lassenes Werk im Drucke, und wurdesowohl 1758 als !770 neu aufgelegt.
Hallstadt, oberösterreichischer Marktflecken im Traunkreise, dicht
am westlichen Ufer des Hallstädter Sees gelegen, dessen Häuser stu-
fenweise über einander gebaut sind und wie an die Felsen angeklebt er-
scheinen. Merkwürdig sind hier der Salzberg, das Salzsudhaus und
die Wasserfälle. H. zählt 1,030 Einw., ist der Sitz eines Salzam-
tes, hat 3 Kirchen und ein protestantisches Bechhaus. Die alte Pfarr-
kirche enthält einen alterthümlichen Schnitz- und Bilderaltar, die St.
Michaelskirche Glasmalereyen. Der Marktflecken H. scheint theils im See
zu stehen (denn fast jedes Haus hat wirklich im See einen Schoppen
für die Schiffe). Mitten im Orte bildet der Mühlbach einen Wasserfall.
H. liegt so unzugänglich in seinem Felsenkessel, daß nur 2 Pferde für
den dürftigen Feldbau zu finden sind; im Orte selbst sind viele male-
rische Standpuncte. Die Umgebungen gehören zu den schönsten im Lande
aber die größere Hälfte ist nicht ohne einige Beschwerlichkeit zu errei-
chen. Über H. erhebt sich der Salzberg, ein steiler aber gut erhalte-
ner Weg führt beynahe 2 Stunden hinauf; Ruhebänke gewähren die
Aussicht auf den See. Man trifft zuerst Kaiser M arim i l ia n's I. Ru-
heplatz von 1504, dann die Bergmeisterswohnung im Rudolphlsthurm>
vom Herzog A lbrech t I. 1284 zum Schutze des Bergbaues errichtn.
Im Berghause sind die Gebirgs- und Salzarten aufgestellt. Der hiesige
Bergbau soll 1311 von der Königinn Elisabeth eröffnet worden seyn. .
Reiche Ausgrabungen von Münzen, Geräthen und eine Salzmumie in
der Tiefe von 100 Klaftern beurkunden schon römischen Betrieb.
Hallstadter-See, im Traunkreise Oberösterreichs, ist zwischen ho-
hen Bergen eingeschlossen, 4,260 Klft. lang, 1,l30 breit und mißt an der
tiefsten Stelle 600 Fuß.
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie