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Hammer, Ios . R i t t e r v. 485
Constantinopel geschickt, in welchem er dem damahligen Internun-
tius, Freyherrn v. Herbert, auf das wärmste empfohlen wurde. Bald
hatte sich H. auch dessen Zufriedenheit im vollsten Maße erworben. Als
Herbert Kunde von der zu El-Arisch zwischen dem Großvezier und
demfranzos. Obergeneral Kleb er erfolgten Convention erhielt, gab er H.
im Febr. 1800 den Auftrag, die Consulate iu der Levante zu bereisen
und über dieselben sowohl, als über die politischen Verhältnisse in Ägyp-
ten Bericht zu erstallen. Da indessen das englische Ministerium die Be-
stätigung derConvention verweigerte, so bliebH. in Hoffnung günstigerer
Reisegelegenheit, am Bord desTigers bey dem Commandeur Sir Sid-
uey Smi th , an welchen er, von dessen Bruder, dem englischen Mi-
nister Spencer Smi th, Empfehlungsschreiben hatte, und da es Erste-
rem an einen geschicktem Dolmetsch gebrach, so war ihm H.'s Erscheinung
um so willkommener. Dieser that nun sowohl jetzt, als auch in der Folge
bey dem Commandanten der brittischen Expedition nach Ägypten Dienste
als Dolmetsch-Secretar. H. war bey den Conferenzen des Großveziers
zu Ia f fa gegenwärtig und machte 1801 den Feldzug in Ägypten mit.
Nach der Übergabe Alexandriens begab sich H. in Folge einer Wei>
sung Herbert's »ach England, wo er mit vieler Auszeichnung aufge»
nommen wurde. 1802, nach dem Tode des Freyherrn v. Herbert,
ging H., von England abberufen, mit dem damahligen Internuntius
Freyh. v. Stürmer als Legationssec«tär nach Con stantino pel,
welcheir Posten er einer Secretärsstelle bey der Gesandtschaft zu Ma-
drid vorzog, da ihm von dem damahligen Minister, Grafen von
Cobenzl, dieWahl freygestellt wurde. 1896 verfügte sichH. als kaiserl.
Agentin die Moldau nach Iassy; Jahrs darauf nach Wien beru-
fen, beschäftigte er sich einige Zeit mit literarischen Arbeiten und For-
schungen, und machte 18l)8 die Bekanntschaft A. W. vonSch leg el's und
der geistreichen Baroninn von S tae l , die sich damahls in Wien be-
fand und deren Salons den Glanz des Adels, der Staatsmänner, so
wie der vorzüglichsten Gelehrten vereinigte. 1809, als sich die Franzo-
sen Wien nahten, sollte H. wie andere Beamte der Staatstanzley auf
Graf Stadion's ausdrücklichen Befehl, Pferde zur Abreise erhalten,
da jedoch die nöthige Anweisung dennoch nicht erfolgte, mußte er in
W i e n bleiben und verlor durch das Bombardement einen Theil
seiner Effecten. Durch einen Empfehlungsbrief seines edlen Freundes
Sylvestre deSacy kam H. mit dem Intendanten Grafen D a r u und
mit dem, Bibliotheken und Gallerien plündernden, Denon in ange-
nehme und unangenehme Berührungen; er verwendete sich mit Eifer
für die Rückstellung der von Letzterem aus der kaiserlichen Bibliothek
weggenommenen orientalischen Handschriften und seine Bemühungen
hatten auch den glücklichen Erfolg, daß noch in W ien 3t)0 zurück-
blieben und von den nach Paris abgegangenen 200, 1810, in wel-
chem Jahre sich H. persönlich dah'ln verfügt hatte, die bessere Hälfte
wieder zurückgegeben wurde. Bey Gelegenheit der Vermahluugsfeyer-
lichkeiten Mar ia Louisens wurde H. als Bothschaftsrath vorgestellt
und kam sofort als Courier wieder in Wien an. 1811 wurde er zum
wirkl. StaatKkanzleyrath und Hofdolmetsch bey der geheimen Hof- und
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Volume 2
- Title
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Subtitle
- Buchstabe E-H
- Volume
- 2
- Authors
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Publisher
- H. Strauß
- Location
- Wien
- Date
- 1835
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.3 x 22.0 cm
- Pages
- 696
- Keywords
- Nachschlagewerk, Biografien
- Categories
- Lexika National-Enzyklopädie